Freitag, 20. Oktober 2017

Duane Michals erhält den DGPh-Kulturpreis

Der New Yorker Fotokünstler Duane Michals wird dieses Jahr mit dem Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Fotografie (DGPh) geehrt. Der 1932 geborene Michals beschäftigt sich seit den 1950er Jahren bis heute mit dem Medium Fotografie. Parallel zu der Preisvergabe präsentiert die Kölner Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur bis zum 5. November eine Ausstellung seiner Arbeiten.

Eine Fotosequenz zu Duane Michals von Lydia Tress

Duane Michals favorisierte immer unterschiedliche photographische Präsentationsformen, wobei dem Moment des Seriellen eine besondere Stellung zukommt. Immer wieder geht es in seinen Bildern um Inszenierungen sowie Steigerungen von Wirklichkeitseindrücken. Seit den 1970er-Jahren ergänzt er seine Bildwerke mit Texte, die er auf den Fotos schreibt. Seine Themen sind normale Begegnungen, Illusionistisches, Erinnerungen, Liebe und Zeit.

Duane Michals ganz rechts im Bild, in seiner Ausstellung 
in der Kölner SK Stiftung Kultur. (Foto: Lydia Tress)

In der Ausstellung werden Serien aus unterschiedlichen Werkphasen des Künstlers gezeigt: „The Fallen Angel“ (1968), „Dr. Heisenberg’s Magic Mirror of Uncertainty“ (1998), „The Theatre of real Life“ (2001) sowie neuere Aufnahmen von Stillleben-Motiven aus den 2000er-Jahren.
Leihgeber sind die Galerie Clara Maria Sels, Düsseldorf, KOLUMBA, Köln sowie das Lehmbruck Museum Duisburg und die Stadt Duisburg.

Mehr Infos: http://www.photographie-sk-kultur.de/ausstellungen/aktuell/

Sonntag, 15. Oktober 2017

Tausend Teufel

Abbildung: dtv

Frank Goldammer "Tausend Teufel", dtv, 365 Seiten, 16,90 EUR, ISBN 978-3-423-26170-8    Dresden 1947: Im zweiten Jahr nach Kriegsende gehört die Stadt zur sowjetischen Besatzungszone und ist nach wie vor eine Trümmerwüste. Im klirrend kalten Winter wird das Leben beherrscht von Wohnungsnot, Hunger und Krankheit. Oberkommissar Max Heller wird von der neu gegründeten Volkspolizei an einen Tatort in der Dresdner Neustadt gerufen. Doch bevor er mit den Ermittlungen beginnen kann, wird der tot aufgefundene Rotarmist vom Militär weggeschafft. Zurück bleiben eine gefrorene Blutlache und ein herrenloser Rucksack, in dem Heller eine grauenhafte Entdeckung macht: den abgetrennten Kopf eines Mannes.
Köllefornia informiert:    Über das Buch: Gut recherchierter Roman, der in der Nachkriegszeit spielt. Neben dem Fall werden dem Leser einiges an Informationen zur Zeitgeschichte vermittelt. Besonders jungen LeserInnen empfohlen, die Kriege nicht kennen. Über den Autoren: Frank Goldammer, 1975 in Dresden geboren, ist Maler- und Lackierermeister. Mit Anfang zwanzig begann er zu schreiben, verlegte seine ersten Romane im Eigenverlag und schrieb drei erfolgreiche Regionalkrimis über Dresden und Umgebung. Er ist alleinerziehender Vater von Zwillingen und lebt mit seiner Familie in Dresden.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Heute wegen Mord geschlossen

Abbildung: Thiele

Christine Paxmann "Heute wegen Mord geschlossen", Thiele Verlag, 272 Seiten, 10,- EUR, ISBN 978-3-85179-250-8     Als sich Hauptkommissarin Clara Kull ein Sabbatical gönnt, sieht es ganz danach aus, als würde sie endlich zur Ruhe kommen, um ihr kaum vorhandenes Liebesleben neu zu gestalten. Dass ihr Freundin Gracia zu einem Winterurlaub rät, findet sie zwar zunächst nicht sehr verlockend, denn eigentlich hatte sie das Skifahren schon an den Nagel gehängt. Doch als sie von einem Wintersportort hört, der sich ganz dem Slowmove und der Wiederentdeckung alter Sportarten verschrieben hat, wird sie neugierig.
Tatsächlich scheint das Alpenparadies Engeldorf so etwas wie das Manufactum unter den Winterorten zu sein. Sonne, Pulverschnee, ein alpines Designhotel und unwiderstehlich charmante Menschen verfehlen ihre aphrodisierende Wirkung auf die Kommissarin nicht – auch dann nicht, als die entzückende Hüttenbedienung mit einem Loch im Kopf aufgefunden wird. Clara kann das Kriminalisieren nicht lassen. Gerne und nicht ganz selbstlos geht sie Karl Truxler, dem etwas schwerfälligen Alpensheriff und Ermittler vor Ort, zur Hand. Ein Einsatz, der nicht nur in ihrem Seelenleben eine Lawine auslösen soll.
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Dafür, dass die Autorin sonst Sachbücher schreibt, ist ihr ein vergnüglicher Alpenkrimi gelungen. Macht neugierig auf mehr aus der Feder der Schriftstellerin. Zur Autorin: Christine Paxmann hat vor zehn Jahren die Skier an den Nagel gehängt, nachdem vorher keine schwarze Piste vor ihr sicher war. Jetzt sucht sie den nostalgischen Flow beim Langlaufen, um sich Romane auszudenken. Clara Kulls erster Fall ist nicht der erste Roman der Münchner Autorin, die bereits erfolgreich unter verschiedenen Pseudonymen geschrieben hat, aber ihr erster Hüttenkrimi.

Die linke Hand des Bösen

Abbildung: Piper

Wolfgang Burger "Die linke Hand des Bösen", Piper, 432 Seiten, 15,- EUR, ISBN 978-3-492-06031-8    Als Kommissar Arne Heldt in einem Heidelberger Vorort auf grausamste, ja sadistische Weise ermordet aufgefunden wird, ist Kripochef Alexander Gerlach fassungslos. Zwar war das Opfer nicht sehr beliebt, ein Gerechtigkeitsfanatiker, gefangen in einer Welt, in der es nur Gut oder Böse gab. Aber er war ein Kollege. Umgehend beginnt Gerlach mit den Ermittlungen und stößt bald auf einen alten Fall von Vergewaltigung und Mord, den Heldt neu aufrollen wollte. Die Spuren führen schließlich in einen Sumpf von zutiefst menschenverachtenden Geschäften, der nicht nur in die besten Kreise Baden-Württembergs reicht, sondern bis nach Griechenland und Aserbaidschan. Doch wer ist der gewissenlose Kopf des Ganzen?
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Dies ist bereits der 14. Fall einer Reihe um den Kriminalbeamten Gerlach. Dieses Buch ist am Anfang etwas langatmig. Allerdings kippt dieser Eindruck nach einigen Seiten und man möchte immer weiter lesen. Spannend und für Zartbesaitete, unblutig geschrieben. Zum Autoren: Wolfgang Burger, geboren 1952 im Südschwarzwald, ist promovierter Ingenieur und hat viele Jahre in leitenden Positionen am Karlsruher Institut für Technologie KIT gearbeitet. Er hat drei erwachsene Töchter und lebt heute in Karlsruhe und Regensburg. Seit 1995 ist er schriftstellerisch tätig. Die Alexander-Gerlach-Romane waren bereits zweimal für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert und standen mehrfach auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Das Apartment

Abbildung: Heyne

S. L. Grey "Das Apartment", Heyne Verlag, 336 Seiten, 12,99 EUR, ISBN 978-3-453-43888-0    Die Ehe von Mark und Steph bröckelt. Um wieder Romantik in ihr Leben zu bringen, machen sie einen Häusertausch per Internet. Steph findet eine Unterkunft in Paris, die auf den Fotos traumhaft aussieht. Doch ihr Apartment entpuppt sich als böse Überraschung. Die Zimmer scheinen seit Jahren nicht mehr bewohnt zu sein, schwere Jalousien lassen kaum Tageslicht herein. Sie beschließen zu bleiben. Doch dann entdeckt Mark mehrere Plastikeimer – gefüllt mit Frauenhaar. Ihm wird klar, dass sie verschwinden müssen. Sofort. Doch der Albtraum hat bereits begonnen … und wird sie nicht mehr loslassen … nie mehr.
Köllefornia informiert:    Zum Buch: Ja, dieses Buch wird wohl geteilte Meinungen hervorrufen. Die einen werden es langatmig finden und andere werden begeistert sein. Es wurde sehr auf die einzelnen Figuren eingegangen. Über ihre Motivationen leider kaum. Trotzdem eine lesenswerte Neuerscheinung unter den Krimis. Zu den Autoren: Hinter S. L. Grey verbergen sich die Bestsellerautoren Sarah Lotz und Louis Greenberg. Beide Autoren leben in Südafrika, Sarah in Capetown, Louis in Johannesburg. Als S. L. Grey beschäftigen sie sich mit der Frage, was passiert, wenn der Mensch in Extremsituationen geworfen wird.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Neue Jazz-CD: Carsten Lindholm "Indispiration"

Abbildung: JazzNarts

Album Titel: Indispiration (Digital/CD)
Label: JAZZNARTS RECORDS eSERIES
Distribution: Inakustik / HRA / Ordis


Indien – Es ranken sich viele Sagen und Geschichten um dieses besondere Land in Südasien. 29 Bundesstaaten, 1,3 Milliarden Einwohner, ab dem Jahr 2028 das wohl meistbevölkerte Land der Erde, weit über 1.000 unterschiedliche Sprachen und Dialekte. Aber auch ein Land mit einer tiefen religiösen Tradition, Mythen, Bräuchen und Ritualen, die auch heute noch unzählige Menschen faszinieren und in ihrem täglichen Schaffen inspirieren. Besonders im musikalischen Bereich gibt es in der indischen Kultur viele Eigenarten und Möglichkeiten Musik zu spielen. Eine dieser Besonderheiten ist die sogenannte Konnakol, hierbei wird eine spannende aber auch äußert komplexe Verschiebung im Rhythmussystem vorgenommen. Ein System, welches den dänischen Schlagzeuger und Komponisten Carsten Lindholm mehr als nur inspiriert hat: „Es ist aufregend zu sehen wie die indische Musik und Kultur einen Einfluss auf meine Musik genommen hat. Vor allem durch Konnakol habe ich wunderbare Möglichkeiten mein nordisches Soundbild mit südasiatischen Rhythmen auszubauen.“ Eine Faszination die in dem neuen Album von Carsten Lindholm – Indispiration seinen Höhepunkt findet. Als zweite Auskopplung der neuen eSeries auf dem Mannheimer Label JAZZNARTS RECORDS erscheint das Album am 21. Oktober 2017.

Der übergeordnete Gedanke des Drummers ist es Aufmerksamkeit zu schaffen für das Thema des inneren Friedens. Ein Frieden wie er in heutigen Zeiten leider viel zu selten gelebt und nach außen gezeigt wird. Es geht um die kulturelle Offenheit zweier Länder wie Dänemark und Indien. Grenzen werden musikalisch überwunden, neue Horizonte geschaffen und so gemeinsam, mit Hilfe der Musik, ein Zeichen für Freiheit, Kreativität und Toleranz geschaffen.

Auch aus musikalischer Sicht werden bei dem neuen Projekt von Lindholm Grenzen überwunden und Symbiosen aus den unterschiedlichen Stilistik zweier Länder geschaffen. Zum einen der minimalistische, nordische Jazz in Kombination mit einer elektronischen Klangwolke und ergänzend die bunten und treibenden Rhythmen der indischen Musik. Präsentiert wird diese musikalische Melange von vielen Weggefährten, Freunden und Kollegen des Komponisten. Insgesamt wirken 16 international renommierte Musiker aus sechs Ländern in den unterschiedlichsten Formationen auf Indispiration mit. Ebenfalls ein schönes uns ausdrucksstarkes Zeichen für die enorme Vielseitigkeit der Produktion.

Viele der 14 Stücke auf dem Album erzählen eine besondere Geschichte aus dem Leben des Dänen. Über Begegnungen, musikalische Erfahrungen und das Ziel neue Blickwinkel zu schaffen. Den ersten Tack auf dem Album Luca widmet Lindholm einem guten Freund. Indian Summer und 7 New Delhies wurden mit dem Trompeter Erik Truffaz aufgenommen, welcher selbst einen sehr großen, musikalischen Einfluss auf die ethnischen Vibes des Albums genommen hat. Ganges und Afrindian wurden bewusst so für den deutschen Trompeter Thomas Siffling konzipiert. Dieser spielt in ersterem Track im Duo mit dem dänischen Sitarspieler Henrik Andersen, was ein phänomenales Soundbild entstehen lässt. Spaces in Places und Konnakol lehnen sich nochmals explizit an die indische Verschiebung der Rhythmusgruppen an.

Carsten Lindholm präsentiert mit Indispiration ein Album welches mit internationalem Facettenreichtum glänzt. Eine wohl abgestimmte Kombination aus nordischem Minimalismus, elektronischen Einflüssen und indischer Rhythmuskunst. Präsentiert von einigen der engagiertesten und renommiertesten Musiker unserer Zeit. Ein Jazzalbum welches neue Horizonte aufzeigt, nicht aufdringlich ist und zugleich vom ersten bis zum letzten Titel zu überzeugen vermag.

Candice Fox "Crimson Lake"

Abbildung: Suhrkamp

Candice Fox "Crimson Lake", Suhrkamp Verlag, 380 Seiten, 15,95 EUR, ISBN 978-3-518-46810-4    

12.46 Uhr: Die dreizehnjährige Claire Bingley steht alleine an einer Bushaltestelle.
12.47 Uhr: Ted Conkaffey hält mit seinem Wagen neben ihr.
12.52 Uhr: Das Mädchen ist verschwunden …

Sechs Minuten – mehr braucht es nicht, um das Leben von Detective Ted Conkaffey vollständig zu ruinieren. Die Anklage gegen ihn wird zwar aus Mangel an Beweisen fallengelassen, doch alle Welt glaubt zu wissen, dass einzig und allein er es gewesen ist, der Claire entführt hat. Um der gesellschaftlichen Ächtung zu entgehen, zieht sich der Ex-Cop nach Crimson Lake, eine Kleinstadt im Norden Australiens, zurück. Dort trifft er Amanda Pharrell, die ganz genau weiß, was es heißt, Staatsfeind Nr. 1 zu sein. Vor Jahren musste sie wegen angeblichen Mordes ins Gefängnis. Nun tun sich die beiden Außenseiter zusammen und arbeiten als Privatdetektive. Ihr Fall: Ein berühmter Schriftsteller mit Doppelleben und kaputter Familie ist verschwunden, die örtliche Polizei behindert die Arbeit der beiden mit harschen Methoden. Dann platzt das Inkognito von Conkaffey, die Medien erzeugen Hysterie. Lynchstimmung macht sich breit. Während er den Fall seiner neuen Partnerin wieder aufrollt und sie versucht, ihn zu entlasten, nimmt der Fall des Schriftstellers überraschende Wendungen.
Köllefornia informiert:     Zum Buch: Wieder ein Meisterwerk von Candice Fox. Umwerfend geschrieben, von der ersten bis zur letzten Zeile. Die einzige Enttäuschung, wenn man merkt, dass es irgendwann zu Ende ist. Dann sollte man sich schnell die Vorgängerbücher von ihr ordern. Zur Autorin: Candice Fox stammt aus einer eher exzentrischen Familie, die sie zu manchen ihrer literarischen Figuren inspirierte. Nach einer nicht so braven Jugend und einem kurzen Zwischenspiel bei der Royal Australian Navy widmet sie sich jetzt der Literatur, mit akademischen Weihen und sehr unakademischen Romanen. Für den ersten und zweiten Teil ihrer Trilogie, Hades und Eden, wurde sie 2014 und 2015 mit dem Ned Kelly Award ausgezeichnet.