Dienstag, 2. September 2014

Stolpersteine - Künstler setzt den 2.000sten Stein ein

Fotos: Horst Tress

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte Anfang September an 27 Orten in Köln insgesamt mehr als 50 weitere Stolpersteine. Darunter ist auch den 2000ste Stolperstein, der in Köln zu finden ist. Dieser erinnert an den jüdischen Widerstandskämpfer Ernst Cahn.

Ernst Cahn wurde 1889 als eines von sechs Kindern des Ehepaars Rosa und Salomon Cahn, das eine Weingroßhandlung führte, geboren. Die Familie lebte in der Roonstraße 31, Köln-Neustadt/Süd. Der Kaufmann Ernst Cahn verlor schon kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten seine wirtschaftliche Basis. 1936 emigrierte er nach Amsterdam, wo er mit Alfred Kohn, einem anderen jüdischen Emigranten, den Eissalon „Koco“ eröffnete.

Der Eissalon in der Van Woustraat 149 wurde zum Treffpunkt einer jüdischen Widerstandsgruppe. Nach einer Razzia im Eissalon im Februar 1941 wurden die Eigentümer verhaftet. Die Koco-Affäre war ein Vorwand für die deutsche Polizei, weitere Razzien im jüdischen Viertel von Amsterdam durchzuführen und etwa 400 Juden zu verhaften.

Auf Grund dieser Verfolgung entstand der sogenannte Februarstreik, ein Generalstreik in Nordholland. Der Streik wurde von der deutschen Besatzung gewaltsam niedergeschlagen. Ernst Cahn wurde festgenommen und gefoltert. Er brach unter der Folter nicht zusammen und weigerte sich, die Namen von weiteren Widerstandskämpfern zu verraten. Ein deutsches Gericht verurteilte ihn zum Tode, er wurde am 3. März 1941 erschossen. Cahn war der erste Widerstandskämpfer, der nach der deutschen Besetzung der Niederlande hingerichtet wurde. In Amsterdam ist eine Brücke über den Amstel-Kanal (Brücke Nr. 401) nach ihm und Alfred Kohn benannt.

Ernst Cahn war mit Lina Hoffmann, die nichtjüdisch war, verheiratet und hatte mit ihr zwei Töchter. Während die beiden Töchter nach Palästina auswanderten, blieb Lina Cahn in den Niederlanden. Sie folgte ihren Kindern nach Kriegsende. Im Haus der Familie Cahn in der Roonstraße wuchs auch die Schwester von Ernst Cahn, Luise Cahn, geb. 1897, auf. Sie zog nach Berlin und wurde von dort mit ihrer 1928 geborenen Tochter Mirjam Cahn am 4. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Beide wurden ermordet.


Köllefornia informiert: Gunter Demnig markiert seit 1993 an verschiedenen Orten im Stadtgebiet durch eine Spur aus Betonplatten mit Messingschrift den Weg, auf dem Sinti und Roma vor 53 Jahren quer durch Köln zum Deportationsgleis am Bahnhof Köln-Deutz geführt wurden. In einigen Fällen sind diese Spuren restaurierungsbedürftig. An zwei Stellen waren die Stolpersteine nach Bauarbeiten nicht mehr auffindbar und werden nun ersetzt.

Mittwoch, 27. August 2014

Armin Mueller-Stahl in Siegburg

Fotos: Horst Tress

Armin Mueller-Stahl - Zeichnungen und Malerei vom 27.08. bis 19.10.2014 im Stadtmuseum Siegburg     „Das Malen, Schreiben, Musizieren und die Schauspielerei gehören für mich einfach zusammen“, so der 1930 in Tilsit geborene Armin Mueller-Stahl. Heute zählt Mueller-Stahl zu den klassischen künstlerischen Mehrfachbegabungen der deutschen Kulturgeschichte, vielfach ausgezeichnet mit nationalen und internationalen Preisen. Seit 2001 werden seine Werke auch öffentlich ausgestellt.

Im Stadtmuseum Siegburg sind vom 28. August bis zum 19. Oktober aktuelle Arbeiten aus seinem Atelier zu sehen. Neben großformatigen Werken auf Leinwand, die man als gegenständlich und expressiv bezeichnen kann, überzeugt Armin Mueller-Stahl vor allem mit seinen Portraits berühmter und bedeutender Personen unserer Zeit und der Vergangenheit. Dabei wählt er Persönlichkeiten aus, die mit ihren Texten, ihrer Musik oder auch ihren Filmen einen Einfluss auf sein eigenes Leben und Schaffen hatten.

Einen Schwerpunkt legt das Stadtmuseum auf Armin Mueller-Stahls Umsetzung des "Urfausts" Goethes in einem Zyklus von 20 Lithographien und zahlreichen Originalgrafiken. Über sein zeichnerisches Werk sagte Mueller-Stahl: "Beim Zeichnen ist man selbst der Regisseur. Es gibt keine Verbote, und man hat alle Freiheiten." Diesen Freiraum, den der Schauspieler nicht immer hat, weil er sich Regisseur und Rolle fügen muss, nutzt der Maler Armin Mueller-Stahl in vollen Zügen aus.

Donnerstag, 16. Januar 2014

Zwischen Ausstieg und Aktion

Abbildung: Kerber

"Zwischen Ausstieg und Aktion - Die Erfurter Subkultur der 1960er, 1970er und 1980er Jahre", Kerber Verlag, 320 Seiten, 38,- EUR, ISBN 978-3-86678-928-9    Die facettenreiche subkulturelle Szene Erfurts ist Gegenstand dieser Untersuchung, die einen Zeitraum von 30 Jahren in den Blick nimmt. Neben vielen Einzelkünstlerinnen und Einzelkünstlern werden in diesem Buch vor allem die Privatgalerien, Hauskreise, die Künstlerinnengruppe und die Punkbewegung betrachtet.
Die Vernetzung zu anderen subkulturellen Zentren in der DDR, insbesondere Berlin, Dresden und Chemnitz, und die besondere Rolle der Kirche bilden neben einer umfangreichen Betrachtung zu den Wirkungsmechanismen der Staatssicherheit weitere thematische Schwerpunkte dieser umfangreichen Bestandsaufnahme.

Köllefornia informiert: Unter den in diesem Buch vertretenen KünstlerInnen u. a.: Monika Andres, Claus Bach, Stefan Bogenhardt, Matthias Büchner, Horst Feiler, Uta Feiler, Ralf Gerlach, Eberhard Göschel, Eberhard Häfner, Katharina Häfner, Magdalena Häfner, Gino Hahnemann, Bernd Hiepe, Albrecht Hillemann, Jürgen K. Hultenreich, Ralf Kerbach, Thomas Klement, Verena Kyselka, Harald Lange, Marie-Luise Leonhardt-Feijen, Gunther LERZ, Rolf Lindner, Rainer Luck, Annette Munck, Klaus-Peter Peinzger, Mita Schamal, Steffi Schirioth, Stefan Schilling, Cornelia Schleime, Matthias Schneider Kult, Werner Schubert-Deister, Gundula Schulze Eldowy, Irmgard Senf, Kathrin Senf, Ellen Steger, C.D. Spinne, Gabriele Steinborn, Lutz Steinhäuser, Heike Stephan, Gabriele Stötzer, Kurt W. Streubel, Jens Tukiendorf, Edeltraud Vostry, Jörg Wolf, Reinhard Zabka und Winnifred Zielonka.