Dienstag, 28. Juni 2016

Pioniere des Comic

Abbildung: Hatje Cantz

"Pioniere des Comic", Hatje Cantz, 272 Seiten, 35,- EUR, ISBN 978-3-7757-4110-1    Comics entstanden um 1897 in Form von farbigen Sonntagsbeilagen in den großen amerikanischen Tageszeitungen. Sie erreichten als erstes bebildertes Massenmedium zig Millionen Leser pro Tag und setzten sich sofort an die Spitze der Unterhaltungsindustrie. Lange wurde übersehen, wie innovativ und experimentell die frühen Comic-Pioniere waren und dass sich ihre Arbeiten häufig auf Augenhöhe mit der künstlerischen Avantgarde der Zeit befanden. Winsor McCay nahm ab 1905 den Surrealismus vorweg, so wie George Herriman in "Krazy Kat" ab 1913 Aspekte des Absurden Theaters etablierte. Cliff Sterretts Szenarien der späten 1920er-Jahre erinnern an expressionistische Stummfilme, während Frank O. King mit "Gasoline Alley" das Erzählen in Echtzeit probierte. Lyonel Feininger nicht zu vergessen, der 1906/07 mit zwei Comicserien seinen Weg zur künstlerischen Unabhängigkeit beschritt.
Köllefornia informiert: Ausstellung: Schirn Kunsthalle Frankfurt, 23.6.–18.9.2016 - Spektakulär, groß und in Farbe, so eroberte der Comic ab 1897 sein Publikum. Die Leser, unabhängig von Bildungsgrad und gesellschaftlicher Zugehörigkeit, waren fasziniert von diesem neuartigen, visuellen Medium, das ihnen nun täglich in den US-amerikanischen Zeitungen begegnete. Hatje Cantz publiziert mit Pioniere des Comic. Eine andere Avantgarde erstmalig ein umfassendes Überblickswerk zu den Anfängen der Comic-Kultur.

Die Schirn Kunsthalle stellt in der umfangreichen Themenausstellung Pioniere des Comic. Eine andere Avantgarde jene Pioniere des Comic vor, die experimentierfreudig und progressiv die künstlerischen und inhaltlichen Maßstäbe des frühen Comic setzten.

Dienstag, 21. Juni 2016

unterwegs... mit Thomas Bracht, Nils Wogram, Sven Decker u. a.

Abbildung: Cover, Portabile Music Trier

CD-Tipp: Thomas Bracht feat. Nils Wogram & Sven Decker "unterwegs...", Label: Portabile Music Trier     Es beginnt alles mit einem ersten Schritt, dem Mut nach vorne zu gehen, sich umzuschauen und zu wissen von nun an einen neuen Pfad zu beschreiten. Sich zu lösen, aus der alltäglichen Komfortzone auszubrechen und schlicht den Aufbruch wagen. Diesen Aufbruch hat auch Thomas Bracht gewagt, nicht nur aus musikalischer Sicht, aber seit diesem Moment ist der Pianist und Komponist unterwegs.

Thomas Bracht war jahrelang als Sideman in etlichen musikalischen Formationen unterwegs, es brauchte aber erst ein großes und einschneidendes Erlebnis bis er den Mut fasste selbst aktiv zu werden. Seine Tochter Maria wurde geboren und so begann neben dem privaten auch der musikalische Aufbruch. Neues wurde entdeckt, Verantwortung übernommen, neue Menschen kennengelernt, der Schatten des Sideman verlassen, Landschaften erkundet, auch mal ein Irrweg beschritten oder in einer Sackgasse wieder gewendet, aber jedes Mal auf ein neues die Herausforderung erkannt und sich dieser angenommen. Auf dieser Reise war Thomas Bracht auch nicht alleine. Unterstützt wurde er durch seine Familie, auf seinem musikalischen Weg durch seine langjährigen Bandkollegen und Freunde aber auch durch neue musikalische Mitstreiter. Einer dieser Mitstreiter ist der international gefeierte Ausnahme-Posaunist Nils Wogram. Ebenfalls mit von der Partie ist der Saxophonist Sven Decker, sowie Stephan Matheus an der Trompete, Tobias Fritzen am Bass, der New Yorker Perkussionist Jerome Goldschmidt, Konrad Matheus am Schlagzeug, Leana Sealy als Vocal und Thomas Bracht selbst am Piano, Clavinet, Synthesizer und den Samples.

„Mit dieser sehr reizvollen Besetzung, bestehend aus Bandleadern, Komponisten und kreativen Köpfen - sie in meine Klangwelt zu ziehen, zu erleben wie sie meinen Kompositionen Leben „einhauchen“, ihre ganz persönliche Note mit einbringen und Teil meiner „Welt“ werden, war eine großartige Erfahrung!“, schwärmt Thomas Bracht von der Zusammenarbeit für unterwegs.

Vor allem die großen Featuregäste, Nils Wogram und Sven Decker haben in den vergangenen Jahren doch für sehr viel Aufhören gesorgt. Auf der vorliegenden Produktion finden sich beide allerdings, für deren Verhältnisse, in einem eher entspannten, jazzigen Gewand. Nils Wogram als ECHO Preisträger und einer der international gefragtesten Musiker Deutschlands verleiht der Produktion ihre unverwechselbare Sounddefintion. Sven Decker, aus der modernen Essener Schule kommend, am Saxophon gilt auch als einer der innovativen jungen Wilden auf dem nationalen und internationalen Jazzparkett. Aber auch die restlichen Kollegen stehen dem in nichts nach. So bilden Tobias Fritzen am Bass, Jerome Goldschmidt an den Percussions und Konrad Matheus am Schlagzeug immer einen soliden, groovigen Rhythmus-Teppich unterstützt durch Stephan Matheus an der Trompeten. Auch die besondere Besetzung durch Percussions und Schlagzeug heben die Klangwelt der Veröffentlichung nur hervor. Ebenfalls zeichnet sich das Album durch die Variabilität innerhalb der Besetzung und der unterschiedlichen Stücke aus.

Einordnen lässt sich der Sound, in einer Mischung aus Jazz, Rock, Pop und Fusionmusik der 70er Jahre a la „Weather Report, Jan Hammer oder Billy Cobham“ mit progressiven, modernen, originellen Elementen und ein wenig Weltmusik. Das Comeback der „Keyboardburg“, eine gewisse Lautstärke und Spielfreude, wabernde Synthesizer über coolen, funkig- bis rockigen Beats und eine Hornsection vom Feinsten.

Die Inspiration für Brachts Kompositionen kommen oftmals von seiner Familie. „Der Song 'Maria' ist entstanden nach einem Motiv meiner 3-jährigen Tochter. Sie hat die Melodie auf dem Klavier fantasiert, den ersten Takt habe ich ihr praktisch „gestohlen“ und daraus entstand der gesamte Titel“, schwelgt Thomas Bracht stolz in Erinnerung. Auch bei den weiteren Titeln geht es oftmals um die Familie und die vielen, tollen Erfahrungen und Erlebnisse die gemeinsam geteilt wurden. Der Track 'Elegant Lady' beschreibt ebenfalls seine Tochter Maria und der Titel 'Karussell' spricht in diesem Fall wohl auch für sich. Mit 'The Hour of the Wolf' fasst Thomas Bracht nochmals den ganzen Prozess des Aufbruchs zusammen, der neue Abschnitt in seinem Leben, welcher durch seine eigene Familie eingeläutet wurde bedeutet für ihn das größte Gut. Dieser Titel wird mit der warmen und sehr klaren Vocal von Leana Sealy als einziger Vocaltrack auch noch komplettiert.

Freitag, 17. Juni 2016

Hatje Cantz und Frauen auf Bäume

Abbildung: Hatje Cantz

"Frauen auf Bäumen", Hatje Cantz Verlag, 112 Seiten, 15,- EUR, ISBN 978-3-7757-4167-5     Hrsg. Jochen Raiß, Text von Jochen Raiß, Gestaltung von Gabriele Sabolewski, Deutsch / Englisch, gebunden.
"Ich verstehe nicht, wie man an einem Baum vorübergehen kann, ohne glücklich zu sein", heißt es in Fjodor Dostojewskis Roman "Der Idiot". Und vielleicht erklärt dieser Ausspruch auch ein wenig das zwischen den 1920er- und 1950er-Jahren beliebte, aber bislang in keinem Buch thematisierte Motiv von Frauen auf Bäumen, die der begeisterte Sammler Jochen Raiß (*1969) auf seinen Flohmarktstreifzügen entdeckt hat. Aus Kisten, in denen sich zahlreiche Momentaufnahmen aus fremden Leben wild zusammengewürfelt befanden, zog er Schwarz-Weiß-Aufnahmen junger Frauen heraus, die in schwindelerregender Höhe ihrem Gegenüber manchmal fast verliebt zulächeln. Die Publikation versammelt die Bildfunde dieses charmanten Genres, die Raiß über die Dauer von 25 Jahren zusammengetragen hat. Ob keck die Beine baumeln lassend, lässig in die Astgabelungen geschmiegt oder sportlich die Baumwipfel erklimmend – jedes Bild hat seine ganz eigene Geschichte, die es zu entdecken gilt. Ein Buch voller Nostalgie.
Köllefornia kommentiert: Ein herrliches Kleinod, diese Sammlung von schwarzweiß Fotografien. Eine hübsche Geschenkidee, für Leute die Fotos und weibliche Wesen mögen.

Samstag, 4. Juni 2016

Ich glaub', es hackt!

Abbildung: Griess

"Ich glaub´, es hackt!" von Robert Griess, wurde vom WDR mitgeschnitten. Ausschnitte werden im September erstmals ausgestrahlt. Alle Termine: http://www.robertgriess.de/inhalt/termine

Robert Griess begeistert mit seinem Programm, das derzeit mit das aktuellste, treffendste und komischste Kabarett ist, das man jenseits des TVs sehen kann. Griess' Programm zwischen Abgrund und Hochkomik bringt das Publikum auf höchstem Niveau und höchst unterhaltsam zum Lachen.

Eine kabarettistische Abrechnung mit einer Welt, in der nicht mehr Solidarität und Empathie als noble Charakter-Eigenschaften gelten, sondern Egoismus und Gier. Griess schlägt mit den Waffen von Kabarett & Satire scharf zurück!
Wieso sind ausgerechnet Reiche gegen Mindestlöhne, und feiern trotzdem Charity-Bälle? Weshalb bekommen Manager Bonus-Zahlungen, nicht jedoch Krankenschwestern? Warum ist das Haus Europa eine Eigentümergemeinschaft und keine WG? Griess stellt wichtige Fragen: To have lunch or to be lunch? Und gibt richtige Antworten: Aus einem Steak kannst du keine Kuh mehr machen. Oder auch: Ein Hamsterrad sieht von Innen aus wie eine Karriereleiter.


Ob als rebellischer „Herr Stapper auf Hartz IV“, der mit anarchischem Spaß Angst und Schrecken in den Wohlfühl-Milieus verbreitet. Ob als „Queen Mutti, Angie I.“ oder als schrägster Berater-Consultant Deutschlands. Ob als frustrierter Grüner in der Opposition oder als Griess selbst, unterwegs im Alltag der permanenten Überforderung: Ein erfrischendes Programm voller überraschender Momente, rasanter Dialoge und pointierter Höhepunkte.

Donnerstag, 2. Juni 2016

Alles über Joseph Beuys und Italien


Abbildung: Kerber

"Joseph Beuys und Italien", Kerber Verlag, 256 Seiten, 76 farbige und 86 schwarzweiße Abbildungen, 36,90 EUR, ISBN 978-3-7356-0219-0    Joseph Beuys hatte immer ein besonderes Verhältnis zu Italien. Obwohl er 1943/44 in Italien als Soldat stationiert war, entwickelte er eine Liebe zum Land. Später, als bildender Künstler hat ihn dieses Italien zu etlichen Werken inspiriert. Ob es sein Multiple „Capribatterie“, Zeichnungen oder Postkarten waren, in diesem südlichen Land fühlte er sich sehr wohl. Viele Ausstellungen quer durch Italien zeigten seine Arbeiten in Einzel- und in Gruppenausstellungen. Galerien, Museen und Editionen schätzten seine Zusammenarbeit. Beuys, der die Gewohnheiten und Lebensphilosophie der Landsleute unglaublich schätzte, ließ keine Gelegenheit aus um das Land zu bereisen. Dort traf er übrigens auch auf seinem von ihm sehr geschätzten Kollegen Andy Warhol. Sie verstanden sich sehr gut und machten auch in Italien einiges zusammen. Ja, Beuys, der in Italien Olivenbäume pflanzte, wurde schnell ein Lieblingskünstler der Italiener. Sie verstanden seine Gedankengänge zum Thema Umwelt und Kunst besser als seine eigenen Landsleute.

Nun veröffentlichte der Kerber Verlag das Katalogbuch Ausstellung „Joseph Beuys und Italien“. Es enthält eine Fülle von Abbildungen und Texten. Auch über seine letzte Installation „Palazzo Regale“, die er in Italien verwirklichte, informiert das 256 Seiten starke Kunstbuch. Für Fans des großen Meisters Beuys durchaus eine Bereicherung für das Kunstbuchregal.
Herausgeber sind Marc Gundel und Rita E. Täuber im Auftrag der Stadt Heilbronn. Die Texte stammen von Bruno Corà, Marc Gundel, Magdalena Holzhey, Stefan Nienhaus, Petra Richter, Beat Stutzer, Rita E. Täuber, Kirsten Claudia Voigt. www.kerberverlag.com

Köllefornia informiert: Joseph Beuys lebte von 1921 bis 1986. Studierte Bildhauerei an der Düsseldorfer Kunstakademie und war Meisterschüler von Ewald Mataré. Später war er selbst Professor an dieser Kunsthochschule.