Montag, 18. Juli 2016

Neues von Max und Moritz

Abbildung: Claudius

Elisabeth Boettger-Spoerl "Neue Lausbubengeschichten von Max und Moritz", Claudius Verlag, 64 Seiten, 16,90 EUR, ISBN 978-3-532-62482-1    Eines der meistgelesenen Kinderbücher der Welt ist Max und Moritz – eine Bubengeschichte in sieben Streichen von Wilhelm Busch. Es wurde in über 300 Sprachen und Dialekte übertragen.
So sind Reime wie „Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich“ oder „Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei, mit der Übeltäterei!“ zu geflügelten Worten im deutschen Sprachgebrauch geworden.

In diesen Lausbubengeschichten erleben Max und Moritz nun völlig neue Abenteuer. Mit Hilfe zweier Original-Steiff-Biegepüppchen fotografierte Elisabeth Boettger-Spoerl als junge Mutter in den 1950er Jahren ihre Ideen für neue Geschichten und unterlegte sie mit frechen Versen. Sie illustrierte Erlebnisse im Kinderzimmer, zwischen Schulsachen, in der Küche und im Nähkasten. Mit viel Liebe zum Detail kolorierte sie die beiden Hauptfiguren auf den damals üblichen Schwarz-Weiß-Fotografien von Hand nach.
Die eigenen Kinder wurden älter, die Geschichten weggelegt – bis ihre Enkel nach rund 50 Jahren die Bilder beim Stöbern in einer alten Schublade kürzlich wiederfanden.
Entstanden ist so nicht nur ein absolutes Kleinod, sondern ein Buch mit trendigem Retro-Charme, das Jung und Alt gleichermaßen bezaubert. 


Köllefornia informiert: Elisabeth Boettger-Spoerl ist ursprünglich Fotografin, kam als junge Mutter durch ihre Kinder zum Schreiben. Da ihr das Nacherzählen zu langweilig war, erfand sie einfach neue Lausbubengeschichten, fotografierte diese und unterlegte sie mit frechen Versen. Beim Stöbern fanden ihre Enkel nach rund 50 Jahren die Bilder zufällig in einer alten Schublade wieder. Elisabeth Boettger-Spoerl lebt in München.

Rough Songs - rauer und herzlicher Jazz


Foto: Horst Tress

Was war das? Ich hielt die aktuelle CD „Rough Songs“, vom Robert Giegling Quintett in den Händen, goss mir ein Glas Wein ein und stellte den CD-Player auf Betrieb. Was meine Ohren von Beginn an vernahmen, waren Jazzklänge vom Feinsten. Eine Fusion aus Modern Jazz, Soul sowie einzigartigen Groove. Ich war von dem Sound begeistert und schloss die Augen um jeden Ton vollends zu genießen.

Dieser Silberling ist eine Empfehlung für alle Jazz Liebhaber. Der fabelhafte Trompeter Robert Giegling führt den Hörer wie ein roter Faden durch alle acht Musikstücke. Seine hervorragenden musikalischen Mitstreiter ergänzen sich bestens. Zu ihnen zählen: Markus Ehrlich (Tenor Sax), Christoph Heckeler (Piano, Fender Rhodes), Joel Locher (Double Bass), Daniel Mudrack (Drums), Daniel Denmark (Vocals), Matthew Bookert (Tuba, Sousaphone) sowie Patrick Flassig (Bass Trombone).

Köllefornia informiert:
Wer mehr über die Aktivitäten von Robert Giegling erfahren möchte, wird im Internet fündig. Unter: www.robertgiegling.de

Montag, 4. Juli 2016

Beuys - Brock - Vostell

Abbildung: Hatje Cantz
 
"Beuys Brock Vostell - Aktion. Partizipation. Performance", Hatje Cantz Verlag, Hrsg. Peter Weibel, ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, Einleitung von Peter Weibel, 411 Seiten, 700 Abbildungen, 58,- EUR, ISBN 978-3-7757-3864-4    Erstmals werden die bedeutenden deutschen Aktionskünstler der Nachkriegsmoderne Joseph Beuys (1921–1986), Bazon Brock (*1936) und Wolf Vostell (1932–1998), die in den 1960er-Jahren zusammen auftraten, in einer Publikation präsentiert. Neben inhaltlichen Parallelen ihrer Arbeiten, etwa der Auseinandersetzung mit dem Holocaust, zeigen sich Berührungspunkte im Vorgehen der befreundeten Künstler. Alle drei waren an der Erfindung der Lehre als Aufführungskunst beteiligt und rückten das Vermitteln, die Diskussion und die Demonstration ins Zentrum ihrer Arbeit. Die radikale Emanzipation des Individuums sowie die Reform der Gesellschaft bildeten ihr gemeinsames Ziel. Das Schaffen der Künstler wurde nicht nur wegweisend für die Entwicklung des erweiterten Werkbegriffs, sondern leistet einen fundamentalen Beitrag zur performativen Wende und für die partizipatorischen Konzepte in der Kunst des 21. Jahrhunderts.
Köllefornia informiert: Genau das richtige Buch für alle, die sich für die Nachfolgebewegung von DADA interessieren. Fluxus war das Zauberwort Ende der 1960er Jahre. Eine außergewöhnliche Marginalie in der zeitgenössischen Kunst, die sich bis heute behauptet. Da die damaligen Protagonisten ihre Formel Kunst gleich Leben und Leben gleich Kunst, hochhielten, gibt es auch heute noch zahlreiche Anhänger von Fluxus auf der ganzen Welt. Besonders in sogenannten Mail-Art-Shows sowie Installationen und Performance, inszenieren sie sich in Galerien, Museen und an außergewöhnlichen Orten. Was Joseph Beuys, Bazon Brock, Wolf Vostell und Konsorten ans Laufen gebracht haben, kam in zeitgenössischen Kunstszenen nie mehr zum Stillstand. Fluxus hat sich längst etabliert und findet sich heute bei Auktionen und in Museumsarchiven rund um den Globus wieder. Dieses herrliche Werk gibt einen Einblick der damaligen Fluxusbewegung. Ihre Kommunikation untereinander, ihre finanziellen Nöte sowie ihre Erfolge. Ein historisches Buch, das in keiner Kunstbibliothek fehlen sollte.

Mit dem Teller nach Bonn

Abbildung: Steidl

"Enjoy you Life - Mit dem Teller nach Bonn", Steidl Verlag, 224 Seiten, 12,- EUR, ISBN 978-3-95829-221-5    Juergen Teller zählt weltweit zu den gefragtesten Fotografen der Gegenwart, und seine Arbeiten bewegen sich permanent an der Schnittstelle zwischen Kunst und kommerzieller Fotografie. Sein Stilmittel ist das Porträt: In den Bereichen Musik, Fashion, VIPs, Alltag und Landschaft gelingt es ihm, mit einem sehr eigenen Gespür für Personen, Situationen, Milieus und Klischees unmittelbare, manchmal scheinbar einfache Bildkompositionen zu schaffen, die die Idee einer nicht perfekten Schönheit in den Vordergrund stellen. In bewusster Distanz zum Glamour in der Mode- und People-Fotografie setzt Teller in Modekampagnen für namhafte Labels Schauspieler, Supermodels, Popstars oder andere Prominente in neue, teils irritierende visuelle Zusammenhänge und enthebt die Darstellung damit dem gängigen Abbildungskodex. Andere Werkgruppen sind autobiographisch geprägt und zeigen die Auseinandersetzung mit seiner Jugend und Heimat – direkt, ehrlich, humorvoll und immer berührend. Und auch die ungeschönte Selbstinszenierung gehört zum Konzept des Fotografen, der damit zusätzlich die Fotografie als Spiegel der Gesellschaft reflektiert und deren Medienwirksamkeit untersucht. Seit über 30 Jahren ist Tellers manchmal unschuldiger, aber immer neugieriger, offener und unverstellter Blick auf das Motiv ein Garant für seine substanzielle Fotografie.
Köllefornia informiert: Ein tolles Buch, in dem man immer wieder voller Lust blättern wird. Ausnahmslos hervorragende etwas andere Abbildungen. Teller inszeniert seine Fotos schräg, provozierend und fern ab aller Banalitäten. Top!

Außergewöhnliche Museen am Niederrhein

Abbildung: Sutton

Joachim Schneider "Außergewöhnliche Museen am Niederrhein", Sutton Verlag, 96 Seiten, 14,99 EUR, ISBN 978-3-95400-697-7    Joachim Schneider präsentiert in diesem reich bebilderten Ausflugsführer rund 30 außergewöhnliche Museen am Niederrhein, die Groß und Klein unbedingt besuchen sollten. Das Bienenmuseum in Duisburg, das Kleinbahnmuseum in Gangelt, das Spielzeugmuseum in Grefrath oder das Wein-Freilichtmuseum in Hamminkeln, hier ist für jeden etwas dabei. Wertvolle Hintergrundinformationen und Einkehrtipps machen diesen Band zum idealen Begleiter.
Köllefornia informiert: Genau das richtige Büchlein um einmal etwas andere Institutionen einen Besuch abzustatten. Hier kommen nicht nur wissbegierige Kinder auf ihre Kosten, sondern auch Erwachsene werden das eine oder andere Museum mit anderen Augen sehen.