Freitag, 30. September 2016

Tod und Spiele

Abbildung: Gmeiner

Petra Mattfeldt "Tod und Spiele", Gmeiner Verlag, 313 Seiten, 11,99 EUR, ISBN 978-3-8392-1947-8    "Every breath you take." Mitten in der Nacht weckt sie die leise Melodie. Erst einige Momente später begreift sie, dass die Musik aus ihrem Wohnzimmer kommt. Panik ergreift sie und sofort ist ihr klar: Er ist wieder da! Sie eilt hinüber zum Kinderzimmer. Ihr einjähriger Sohn liegt friedlich schlafend in seinem Bett. Doch ihre Erleichterung währt nur kurz, denn auf dem Bäuchlein des Kindes liegt ein Zettel: "Wann immer ich es will!"
Köllefornia informiert: Petra Mattfeldt lebt gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Kindern in der Nähe von Bremen. Sie arbeitet als freie Journalistin und hat unter dem Pseudonym Caren Benedikt bereits mehrere historische Romane veröffentlicht. Mit "Sekundentod", dem ersten Fall des Profilers Falko Cornelsen, ist ihr der erfolgreiche Sprung ins Krimigenre gelungen.

Volker Klüpfel, Michael Kobr "Himmelhorn"

Abbildung: Droemer

Volker Klüpfel, Michael Kobr "Himmelhorn", Droemer Knaur, 496 Seiten, 19,99 EUR, ISBN 978-3-426-19939-8    Der neunte Fall der Bestseller-Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr führt den Kult-Kommissar Kluftinger in die Allgäuer Alpen, genauer gesagt auf das Himmelhorn, einen der gefährlichsten Berge des Allgäus. Natürlich liebt Klufti die Berge – wenn sie kässpatzenförmig auf seinem Teller aufragen. Doch der neueste Streich von Gesundheitsfetischist Langhammer befördert den Kommissar samt E-Bike tief in die Allgäuer Alpen, wo die beiden prompt auf drei Leichen stoßen: ein bekannter Dokumentarfilmer und zwei einheimische Bergführer, die einen Film über die Erstbesteigung des Himmelhorns drehen wollten. Wie es scheint, waren sie dem als äußerst gefährlich geltenden Gipfel nicht gewachsen. Die Ermittlungen im Umfeld der Toten führt Klufti in sehr abgelegene Alpentäler und zu deren starrköpfigen Bewohnern, die noch wortkarger sind als er.
Köllefornia informiert: Volker Klüpfel teilt mit Kluftinger den Heimatort Altusried. Doch den ehemaligen Journalisten hat es beruflich nach Augsburg verschlagen. Dort lebt er nach wie vor mit seiner Familie, auch wenn ihn sein Beruf nun nicht mehr in die Kulturredaktion der Augsburger Allgemeinen, sondern an seinen Autoren-Schreibtisch führt. Studiert hat Klüpfel, Jahrgang 1971, Politik und Geschichte in Bamberg, arbeitete dann bei einer Zeitung in den USA und vertreibt sich seine Zeit mit Sport und Theater – entweder als Zuschauer oder als Mitspieler bei den Freilichtspielen in Altusried. Wie Kommissar Kluftinger.
Michael Kobr, geboren 1973 in Kempten im Allgäu, studierte Germanistik und Romanistik in Erlangen. Er arbeitete nach dem Staatsexamen an verschiedenen Realschulen in Bayern, momentan aber ist er beurlaubt – um sich dem Schreiben der Romane, den Shows und der Familie widmen zu können. Kobr wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern im Allgäu.

Donnerstag, 29. September 2016

Ein ordentlicher Ritt

Abbildung: Heyne

Irvine Welsh "Ein ordentlicher Ritt", Heyne Hard Core, 448 Seiten, 16,99 EUR, ISBN 978-3-453-27067-1    Juice Terry Lawson ist der unangenehmste Taxifahrer von ganz Edinburgh. Seine männlichen Fahrgäste textet er gnadenlos zu, die Frauen versucht er flachzulegen. Es kann sich eigentlich nur um ein Versehen handeln, dass ausgerechnet der amerikanische Fernsehstar Ronald Checker ihn als seinen Stammfahrer engagiert. Als dann ein Hurrikan die Ostküste Schottlands heimsucht und die Stadt im Chaos versinkt, verschwindet Terrys gute Freundin Jinty. Zuletzt wurde sie im berüchtigten Pub Ohne Namen gesehen. Ronald Checker wird wohl oder übel einen Umweg in Kauf nehmen müssen.
Köllefornia informiert: Irvine Welsh, geboren 1958 in Leith bei Edinburgh, schreibt Romane und Kurzgeschichten und gilt als einer der wichtigsten Autoren der Underground-Literatur. Sein Debütroman Trainspotting und die gleichnamige Verfilmung mit Ewan McGregor machten ihn international bekannt. Welsh lebt in Chicago.

Regierungsbunker Bad Neuenahr-Ahrweiler

Fotos: Lydia Tress (zum Vergrößern bitte anklicken)

Wer einmal eine etwas andere Dokumentationsstätte besuchen möchte, sollte sich den Regierungsbunker Bad Neuenahr-Ahrweiler vornehmen. Die 2009 mit dem Kulturpreis Europa Nostra ausgezeichnete Location wird vom gemeinnützigen Heimatverein "Alt-Ahrweiler e. V." unterhalten.

Ein kleines Teilstück des ursprünglichen über 18 km langen Tunnels wurde zum Museum ausgebaut. Das einstige geheime Bauwerk war in der Zeit des Kalten Krieges eine eigene unterirdische Welt. Neben Zahnarzt, Friseur, Fernsehstudio, Schlafplätzen wurden dort Verfassungsorgane der Bundesrepublik aktiv. Ein Kapitel zur atomaren Bedrohung zu jener Zeit.

Mehr Informationen finden Sie unter: http://www.regbu.de/

Dienstag, 27. September 2016

Nordseekrimi: Kalte Brandung

Abbildung: Dumont

Isa Maron "Kalte Brandung", DuMont Buchverlag, 430 Seiten, 10,- EUR, ISBN 978-3-8321-6358-7    Auf einem Kinderbauernhof in Amsterdam verschwindet am helllichten Tag ein kleiner Junge. Trotz tagelanger Suche bleibt er unauffindbar. Die Polizei ist höchst alarmiert und leitet eine groß angelegte Suchaktion ein. Wie sich zeigt, ist der Vorfall bloß der Anfang. Überall in Nordholland werden Kinder vermisst gemeldet, und bald verfolgt das ganze Land fieberhaft das mediale Geschehen. Maud Mertens, die Leiterin der Ermittlungen, gerät immer stärker unter Druck. Schon einmal hat die altgediente Kommissarin durch eine falsche Entscheidung den Tod eines Kindes mitverschuldet, und sie beginnt zu zweifeln, ob sie die Richtige für diesen Job ist. Unterstützung erhält sie von der jungen Kriminalistik-Studentin Kyra Slagter, deren Schwester vor Jahren spurlos verschwunden ist und die Mertens bereits in einem anderen Fall "ungebeten" assistierte: ein ungleiches Paar, das sich dennoch perfekt ergänzt. Als eine erste Kinderleiche auftaucht, ist klar: Die Täter schrecken vor nichts zurück – und jede Minute zählt.
Köllefornia informiert: Isa Maron, geboren 1965, ist Autorin mehrerer erfolgreicher Kriminalromane und gilt in den Niederlanden als eine der Meisterinnen ihres Genres. Ihr Debüt "Passiespel" wurde 2008 als bester Frauen-Thriller des Jahres ausgezeichnet. Bei DuMont erschien bislang "Dunkle Flut" (2016). "Kalte Brandung" ist der zweite Band ihrer Reihe der Nordsee-Morde um das Ermittlerinnenpaar Maud Mertens und Kyra Slagter.

Der Pygmäe von Obergiesing

Abbildung: Kunstmann

Max Bronski "Der Pygmäe von Obergiesing", Verlag Antje Kunstmann, 176 Seiten, 15,- EUR, ISBN 978-3-95614-124-9   Gossec, Münchens härtester Antiquitätenhändler, ist auf dem Weg nach Hause. Es ist spät, er hat einige Biere intus, und es geht ihm gehörig gegen den Strich, dass auf dem Gehweg seines Quartiers ein Zivilfahrzeug mit Blaulicht steht und zwei Polizisten einen Schwarzen kontrollieren. Für Gossec ein klarer Fall von Schikane, er mischt sich ein, und es kommt, wie es kommen muss: Beide landen in der Zelle des zuständigen Polizeireviers. Dort allerdings gewinnt Gossec einen neuen Freund, den schwarzen Urbayer Alois Womack.
So beginnt Max Bronskis neuer Krimi, in dem München leuchtet wie eh und je. Aus den Isarauen wehen balsamische Frühlingsdüfte ins Schlachthofviertel, Gossecs Geschäfte laufen wie immer eher mäßig, und die Zumutungen des Lebens lauern überall. Für Alois Womack dagegen läuft alles bestens. Als Musikentertainer ist er gut im Geschäft und für ein Fest bei MCB Immoinvest gebucht. Die urige bayerische Deko, die für dieses Fest noch gebraucht wird, soll Gossec liefern. Ein lukrativer Auftrag mit bösen Folgen: Am Morgen nach dem Fest liegt die Assistentin der Geschäftsführung tot im Park und neben ihr der bewusstlose Alois Womack. Ist er der Mörder? Oder hat ihr Tod etwas mit den Geschäften dieser angeblich so sozialen Immobilienfirma zu tun?
Köllefornia informiert: Max Bronski (Franz-Maria Sonner) wurde 1953 in Tutzing geboren und ist Autor von Kriminalromanen. Seine legendäre Reihe um den Münchner Antiquitätenhändler Gossec ist schon lange Kult. Zuletzt erschien von Bronski „Der Tod bin ich“ (2013). Sein neuer Roman „Mad Dog Boogie“ wird im Januar 2016 veröffentlicht. Der Autor lebt in München.

Samstag, 24. September 2016

Die Stille vor dem Tod

Abbildung: Lübbe
 
Cody Mcfadyen "Die Stille vor dem Tod", Lübbe Verlag, 478 Seiten, 22,90 EUR, ISBN 978-3-7857-2566-5    An einem kalten Oktobertag werden Smoky Barrett und ihr Team nach Denver, Colorado, gerufen. Im Haus der Familie Wilton ist Schreckliches geschehen: Die gesamte fünfköpfige Familie wurde ermordet, und der Täter hat durch eine mit Blut geschriebene Botschaft Smoky mit der Lösung des Falles beauftragt. Doch das Unheil ist weit größer, denn die Wiltons sind nicht die einzigen Opfer. Insgesamt drei Familien wurden in der gleichen Nacht und in unmittelbarer Nähe voneinander getötet. „Komm und lerne“, lautet die Botschaft an Smoky. Es wird ein grausamer Lernprozess, das Böse in seiner reinsten Form, in seiner tiefsten Abgründigkeit zu spüren. Smoky gelangt an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Und weit darüber hinaus.
Köllefornia informiert: Cody Mcfadyen wurde 1968 in Fort Worth, Texas (USA) geboren. Er wuchs in mehr als einfachen Verhältnissen auf, fühlte sich in der Schule unterfordert und interessierte sich bereits in seiner Kindheit für das Schreiben.

Wildgerichte und Jagdgeschichten

Abbildung: Sutton

Joachim Nierhoff, Martha Redemann "Wildgerichte und Jagdgeschichten aus Sauerland und Siegerland", Sutton Verlag, 128 Seiten, 19,99 EUR, ISBN 978-3-95400-732-5
Joachim Nierhoff und Martha Redemann präsentieren eine kurzweilige und wahrhaft köstliche Reise in die tiefen Wälder Südwestfalens. Raffinierte Wildrezepte, kurzweilige Geschichten rund um die Jagd und viel Wissenswertes über die heimischen Tierarten machen diesen Band zu einem Muss für alle passionierten Köche und Jäger.
Köllefornia informiert: Der Drolshagener Joachim Nierhoff ist ein profunder Kenner des Sauerlandes und seiner Menschen. Der gelernte Buchhändler besuchte die Abendschule und studierte im Anschluss Deutsch und Geschichte. Der leidenschaftliche Hobby-Historiker arbeitete als Lehrer und ist in der Vergangenheit bereits mit mehreren regionalgeschichtliche Publikationen hervorgetreten, darunter im Sutton Verlag die Erfolgstitel „Historische Morde im Sauerland“ und „Weihnachten im Sauerland“.

Donnerstag, 22. September 2016

Tagebücher, die aufhorchen lassen

Abbildung: dtv

André Postert "Der Junge Schall", dtv, 24,- EUR, ISBN 978-3-423-28105-8    Franz Albrecht Schall (1913 – 2001) stammte aus einem bildungsbürgerlichen protestantischen Elternhaus in Thüringen. Der Vater war mit Hesse befreundet und verfolgte besorgt die Krise der Demokratie. Doch der Sohn trat bereits mit 17 der nationalen Jugend bei. Wie der junge Mann in den Sog des Nationalsozialismus geriet, davon zeugen seine Tagebücher: Massenaufmärsche, politische Vorträge und Propagandafahrten sind ebenso festgehalten wie seine persönlichen Eindrücke. Während der Vater wegen Kontakten zur Opposition verhaftet wurde, machte der Sohn Karriere in der Diktatur. Fast bis Kriegsende war sein Glaube an das Regime ungebrochen.
Unverfälscht zeigen die Tagebücher die Anziehungskraft dieser Politik auf junge Menschen. Zusammen mit der historischen Einordnung eröffnen sie einen neuen Blick auf diese Zeit und sind zugleich ein sehr anschaulicher Beitrag zum Thema Jugend und ideologische Verführung.
Köllefornia informiert: André Postert, Dr. phil., Jg. 1983, hat Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Duisburg-Essen studiert und 2013 am Lehrstuhl von Wilfried Loth seine Promotion abgeschlossen. Während seines Studiums war er als wissenschaftliche Hilfskraft tätig, ab 2014 als Lehrbeauftragter für Neuere Geschichte an der Universität Düsseldorf und freier Mitarbeiter am NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln. Seit 2014 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hannah-Arendt-Institut in Dresden. Seine Forschungsschwerpunkte: Konservatismus/Konservative Revolution, Opposition und Widerstand, Jugendorganisationen in der Diktatur sowie  Mentalitätsgeschichte.

Die Siedlung der Toten

Abbildung: Scherz

Max Landorff "Die Siedlung der Toten", S.Fischer Verlag, 320 Seiten, 14,99 EUR, ISBN: 978-3-651-00067-4    Sie liegt idyllisch, doch sie atmet das Böse: die Siedlung. Mit einem Kopfschuss hingerichtet sitzt die Frau in ihrem Rollstuhl, aufrecht wie eine Mumie in ihrem Chanel-Kostüm – die letzte Bewohnerin der Siedlung. Idyllisch war es hier einst in den Bungalows an der Isar. Bis man die Leichen fand: 18 Tote, im Kreis angeordnet um eine Feuerstelle. Alle waren sie Bewohner der ersten Stunde. Welches Grauen verbirgt sich bis heute in der Siedlung? "Die Siedlung der Toten": der beklemmende neue Thriller des Bestseller-Autors Max Landorff - hochatmosphärische deutsche Spannung mit raffinierten Wendungen und verstörendem Blick in menschliche Abgründe.
Köllefornia informiert: Max Landorff ist ein Pseudonym. Seine REGLER-Thriller sind Bestseller und in mehrere Sprachen übersetzt.

Der Angstmann

Abbildung: dtv

Frank Goldammer "Der Angstmann", dtv, 336 Seiten, 15,90 EUR, ISBN 978-3-423-26120-3    Fesselnder Kriminalroman aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Dresden, November 1944: Die Bevölkerung leidet unter den anhaltenden Kriegszuständen und den täglichen Entbehrungen. Flüchtlingsströme drängen in die Stadt. Bombenalarme gehören zum Alltag. Da wird Kriminalinspektor Max Heller zu einer grausam zugerichteten Frauenleiche geholt. Schnell geht das Gerücht um: Das war der Angstmann, der nachts durch die Gassen schleicht. Heller gibt nichts auf das Gerede. Inmitten der Wirren des letzten Kriegswinters macht er sich auf die Suche nach einem brutalen Frauenmörder. Nicht nur sein linientreuer Vorgesetzter Rudolf Klepp legt Heller dabei Hindernisse in den Weg. Als im Februar 1945 die Stadt in einem beispiellosen Bombenhagel dem Erdboden gleich gemacht wird, hält man auch den Mörder für tot. Doch der Angstmann kehrt zurück.
Köllefornia informiert: Frank Goldammer, 1975 in Dresden geboren, ist Maler- und Lackierermeister. Mit Anfang zwanzig begann er zu schreiben, verlegte seine ersten Romane im Eigenverlag und schrieb drei erfolgreiche Regionalkrimis über Dresden und Umgebung. Er ist alleinerziehender Vater von Zwillingen und lebt mit seiner Familie in Dresden.

Eleven Promises - Jazz vom Feinsten

Abbildung: JazzSick

Elisabeth Lohninger & Band "Eleven Promises", Label JazzSick Records    Salzkammergut, Österreich. Malerisch gelegen am traumhaften Attersee. Bei einem Blick über das Wasser erblickt man am anderen Ende die thronenden und mächtigen Bergspitzen der Alpen über das Ufer ragen. Ein einmaliges Panorama und für Elisabeth Lohninger der schönste Ort auf der ganzen Welt. Als Pendant hierzu steht eine der pulsierendsten und faszinierendsten Städte auf unserem Globus – New York City. Das eine ist die Heimat, das andere seit über 20 Jahren die Wahlheimat. Es ist ein großer und mehr als nur gewagter Schritt von einem Dorf mit 25 Einwohnern in eine 8,2 Millionen-Stadt zu ziehen. Eine alte Welt sollte der neuen weichen. Aber Elisabeth Lohninger wäre nicht Elisabeth Lohninger, wenn sie zum einen nicht ihrem Herzen folgen würde, und zum anderen der Liebe zur Musik wegen, diesen Schritt gewagt hätte.

Manhattan war vor 20 Jahren noch multikultureller, bunter und geradezu durchwachsener Nabel der gesamten Metropole, mittlerweile hat sich dies stark verändert. Beherrscht von großen Konzernen und Firmen aus der ganzen Welt mussten die kleinen, charmanten und romantischen Ecken in denen der Jazz noch lebendig gedeihen konnte leider zum Teil weichen. Wer sich aber mit offenen Augen und Ohren auf die Suche begibt, findet diese besonderen und magischen Orte der Stadt noch. So weiß auch Elisabeth Lohninger ihr New York zu schätzen.

Der Gedanke an den American Dream liegt bei so einer Vita sicherlich nah, war für die Sängerin aber niemals der Fokus ihres Aufbruchs. Wenn man nach New York bzw. Manhattan kommt um Jazz zu machen geht es nicht so sehr darum, mit Musik möglichst viel Geld zu verdienen, ein schönes Haus oder ein schnelles Auto zu kaufen. Musik ist für mich Inspiration, ich fühle mich darin zu Hause und sie gibt mir den Freiraum den ich auch brauche um möglichst authentisch zu sein und im besten Fall auch andere Menschen dadurch inspirieren zu können, erzählt die Künstlerin.

Diese Reise musste die studierte Sängerin auch nicht alleine unternehmen, gemeinsam mit ihrem Ehemann und jahrelangen, musikalischen Wegbegleiter, Walter Fischbacher, wurde die erste gemeinsame Wohnung auf der W 104th Street und Broadway bezogen, anschließend ging es in die Lower East Side. Von diesem Zeitpunkt wurde der Schwerpunkt des musikalischen und kreativen Schaffens auf eine neue Stadt gelegt.

Im Gegensatz zu dem europäischen Jazz ist der amerikanische sehr traditionell geprägt, dies beeinflusste sicherlich auch die Liedstrukturen, Akkordabfolgen und Ästhetiken von Elisabeths Musik. Der Puls der Stadt, der Lärm, die vielen Dinge, die sich ständig und zur gleichen Zeit abspielen, aber auch der Rhythmus der Sprache. Alles ausschlaggebende Indikatoren für die musikalische Entwicklung der Vokalistin. Ein weiterer Aspekt dieses Prozesses ist die enge und sehr intensive Zusammenarbeit mit Walter Fischbacher. Über die Jahre hinweg wurden 20 Produktionen veröffentlicht, zum Teil gemeinsam, zum Teil in Co-Produktion aber immer mit einem übergeordneten Ziel, dem Jazz. Das aktuellste dieser vielen Resultate ist das am 23. September erscheinende, neue Album von Elisabeth Lohninger & Band – Eleven Promises.

Es ist ein Symbol der gemeinsamen Geschichte des Ehepaars. Ein Sinnbild für die Ehe, das Versprechen in guten wie in schlechten Zeiten zueinanderzustehen und immer wieder als Gemeinschaft zurückzukehren, egal was passiert. Deshalb ist es auch die erste Veröffentlichung gemeinsam mit Walter Fischbachers Trio Phisbacher. Fischbacher selbst hat das Album arrangiert und produziert und die meisten Stücke wurden auf einer gemeinsamen Auszeit in Mexiko geschrieben. Als musikalische Begleiter der neuen Veröffentlichung finden sich, neben Walter Fischbacher selbst am Piano, noch Goran Vujic am Bass und Ulf Stricker am Schlagzeug. Als besonderes Highlight Ben Butler, der Gitarrist von Sting und Susan Vega, bei dem Stück Birthday Girl und der Harmoniker Gary Schreiner als Solist bei Mellow Moon Moaning. Komplettiert wird durch den zweiten Gitarristen Pete McCann. Die Bandleaderin selbst weiß dies auch sehr zu schätzen: Ich bin immer wieder inspiriert von meinen Kolleginnen und Kollegen, ob das nun Musiker, Designer oder Schriftsteller sind. Sie beflügeln mich alleine dadurch, dass sie immer danach streben, nicht stehen zu bleiben sondern sich weiterzuentwickeln. Genauso war es auch bei den Arbeiten zu Eleven Promises, ein wunderbarer Prozess.

Jeder der zwölf Tracks auf dem neuen Album erzählt eine Geschichte oder es verbirgt sich eine interessante Anekdote dahinter. When We Were Young ist Elisabeths Geschwistern gewidmet und erzählt von der Erinnerung an einen warmen Sommerregen und vielen Momenten aus der Kindheit. Ein akustischer Chill-Out-Track mit einigen Sciencefiction-Sprinklern“ so beschreibt Walter Fischbacher die sechste Nummer auf dem Album, And If. Auch ein Cover mit Girl From Ipanema findet Platz. Mit dem gleichnamigen Titelsong Eleven Promises, dessen Refrain zufällig auch in 11/16 gespielt wird, greift Elisabeth nochmals das Thema des gesamten Albums auf, die Liebe, die Ehe und der gemeinsame Weg den sie und Walter bisher zurückgelegt haben. Mit Hold On empfiehlt sich ebenfalls noch ein äußerst grooviger Song in bester Manier der frühen 90er Jahre. Circles als das komplexeste Stück auf Eleven Promises spielt beispielsweise auf Maiden Voyage von Herbie Hancock an. Neben vielen weiteren sehr gut aufeinander abgestimmten Titeln, ist zu guter Letzt mit dem Stück Ya Mi Corazon noch ein spanisches Stück auf dem Album.

Südafrika und der Jazz

Abbildung: JAZZNARTS

Neue CD "Seba Kaapstad – Tagore’sue", Label JAZZNARTS RECORDS    Wir befinden uns heute 33° Süd 56’ 20.94’’ – 18° Ost 28’ 10.271’’. Genau genommen sitzen wir am Straßenrand des ‚Tagore’s Club’ in der 42, Trill Road im sonnigen und sehr milden Kapstadt. Mit uns am Tisch sitzt eine Gruppe junger Musiker aus Deutschland und Afrika: Sebastian Schuster, Zoe Modiga und Ndumiso Manana. In diesem Moment wird ein Bandprojekt geboren, welches Kulturen verbindet, für Musiker neue musikalische Horizonte ermöglicht und ein so starkes, authentisches und sehr vielseitiges Jazz-Album hervorbringt, wie man es wohl aus einer Kombination von schwäbischer Gründlichkeit, koreanischer Zurückhaltung, rheinischem Humor und Süd-Afrikanischer Gelassenheit nicht erwartet hätte: Seba Kaapstad – Tagore’s.

In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts war Südafrika auf Grund der Apartheid und vieler Unruhen stark zerrüttet. Bis zum Ende der 80er Jahre war es fast unmöglich Kreativität, Kunst und Kultur zu erleben. Mit ausschlaggebend für die Rehabilitation des Landes und der dort lebenden Menschen war die Musik. Als universelle Sprache hat sie Menschen, egal welcher Herkunft, zusammengeführt. Es entstand die Möglichkeit auf neutraler Ebene miteinander zu kommunizieren, einen gemeinsamen kreativen Prozess zu gestalten, Vorurteile zu überwinden und einen großen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten. Gerade deshalb ist das Projekt von Sebastian alias ‚Seba Kaapstad’ umso wichtiger und intensiver.

Vor seiner ersten Reise nach Kapstadt hätte Seba sich sicher niemals ausmalen können, welche Freunde er dort findet, wie dieses Land sein ganzes Leben verändert und welche Magie und vor allem Energie ihn dort erwartet. Der Grund seiner Reise war nämlich ein anderer. Eines der großen musikalischen Vorbilder des Musikers ist der niederländische Bassist ‚Heyn van der Geyn’, welcher unter anderem schon mit Chet Baker auf Tournee war. Dieser lebt in der ‚Mother City’ und Seba wollte ihn kennen lernen. Nach ersten gemeinsamen Jam Sessions und viel Zeit mit dem Instrument verliebte sich der junge Künstler allmählich in die Stadt, die Menschen und das Lebensgefühl. „Kapstadt ist so charmant imperfekt. Ich erinnere mich an einen Gig mit circa 30 Musikern. Ohne Noten und wirklichen Plan wurde begonnen zu spielen. Es brach absolutes Chaos aus, aber ich habe selten so ehrliche Musik erlebt. Beim Spielen herrscht nie wirklich Ruhe, der Zuhörer zeigt sofort Emotionen wenn etwas gefällt, oder eben nicht. Das würde es in Deutschland nie geben “, erklärt Seba.

Geprägt ist der musikalische Stil von ‚Tagore’s’ durch die vielfältigen Kulturen und Stilistiken der Bandmitglieder. Der afrikanische Einfluss auf dem Album ist stark ausgeprägt. Es ist ein urbaner Mix aus Rhythm ’n’ Blues, Hip-Hop, Soul und Jazz. Allerdings wird viel Raum gelassen zur musikalischen Entfaltung eines jeden Künstlers. Vor allem ‚Hello’‚ ‚I Fall In Love Too Easily’, ‚Flatline’ und ‚Autumn’, mit ihren eindringlichen Melodien, tollen Solis und hervorragend abgestimmten Vocal-Passagen sind absolute Ohrwurm-Garanten. Alle Kompositionen stammen aus der Feder des Bandleaders und den Sängern. Aufgenommen wurde im Münchner Mastermix Studio von Thomas Schmidt und gemastert von Christoph Stickel.

Seba vereint mit seinem Debütalbum die südafrikanische Ausnahmesängerin Zoe Modiga, welche mit gerade einmal 21 Jahren schon etliche Wettbewerbe gewonnen hat und als eine der vielversprechendsten und talentiertesten Künstlerinnen des ganzen Landes gilt. Ebenfalls mit dabei ist Ndumiso Manana aus Swasiland, der junge und sehr emotionale Sänger ist auch gerade im Begriff seine Karriere in Südafrika und über den Landesgrenzen hinaus aufzubauen. Am Piano ist ebenfalls keine Unbekannte: Gee Hye Lee, gebürtig aus Südkorea mittlerweile aber sesshaft in Stuttgart. Der aus Bayern stammende und in Köln lebende Thomas Wörle an den Drums und Electronics ergänzt die Band. Außerdem ist auch die Schwester des Bandleaders, Franziska Schuster, als Sängerin auf dem Album vertreten. Und natürlich der Bassist sowie Komponist des Albums, Sebastian Schuster.

Bei ‚Seba Kaapstad – Tagore’s’ wirken Musiker gemeinsam, die auf den ersten Blick vielleicht unterschiedlich scheinen, aber die genau gleichen Vorstellungen von Musik und deren Einfluss haben. Dadurch ist ein so besonderes, facettenreiches und wirklich spannendes Album entstanden. Es spiegelt die Energie Südafrikas und zeigt, dass Grenzen, jeglicher Art, mit Hilfe von Musik immer überwunden werden können. Ein absoluter Musiktipp, auch für Nicht-Jazzer.

Band:
Zoe Modiga – Voice
Franziska Schuster – Voice
Ndumiso Manana – Voice
Gee Hye Lee – Piano
Thomas Wörle – Drums / Electronics
Sebastian Schuster - Bass / Rhodes

Dienstag, 20. September 2016

Ein Schlag ins Gesicht

Abbildung: Klett-Cotta

Franz Dobler "Ein Schlag ins Gesicht", Tropen Verlag, 386 Seiten, 19,95 EUR, ISBN ISBN: 978-3-608-50216-9    Simone Thomas hat schon einiges hinter sich: zwei Ehemänner, dreiundvierzig Jahre Showgeschäft, Dutzende Nacktfotos, diverse Filmproduktionen, Drogenexzesse, Yellow-Press-Skandale. Da fehlte es ihr gerade noch, dass sie von einem Stalker bedroht wird. Und dass diese Idioten von der Sicherheitsfirma ihn einfach nicht zu fassen kriegen. Zwei unfähige Leute hat sie schon verschlissen, bis endlich Fallner für sie eingeteilt wurde. Und Fallner wäre nicht Fallner, wenn er nicht eine Gabe für aussichtslose Fälle hätte. Lässig, feinfühlig und mit sprachlich höchster poetisch-derber Präzision schickt Franz Dobler seinen Held Robert Fallner gefährlich nahe heran an eine exzentrische Diva, deren Stalker unberechenbar ist.
Köllefornia informiert: Franz Dobler, geboren 1959, lebt in Augsburg. Neben Romanen und Gedichtbänden, für die er u.a. mit dem Bayerischen Literaturförderpreis ausgezeichnet wurde, veröffentlichte er auch Erzählungen und Musikbücher. Er hat Kompilationen herausgegeben und ist Discjockey. Für sein Krimi-Debüt "Ein Bulle im Zug" erhielt er 2015 den Deutschen Krimi Preis.

Der Rache süßer Atem

Abbildung: Rütten & Loening

Christine Eichel "Der Rache süßer Atem", Rütten & Loening Verlag, 320 Seiten, 16,99 EUR, ISBN 978-3-352-00667-8 Immer wieder hat Maria auf die große Liebe gehofft, auf den Mann fürs Leben und das lang ersehnte Kind. Stattdessen erlebte sie Rücksichtslosigkeit, Lüge, Betrug. Als auch Tom sie hintergeht, ihre letzte Hoffnung auf glückliche Zweisamkeit, bricht Maria aus der Opferrolle aus. Schluss mit der Demut! Erbittert rechnet sie ab und nimmt blutige Rache. Ganz oben auf ihrer Liste steht Johannes, der ihre intimsten Geheimnisse preisgegeben hat. Ihm folgen sechs weitere Kandidaten, denen sie Verletzung und Verrat heimzahlen will. Doch dann heftet sich Hauptkommissar Tesoro an ihre Fersen, und ein gefährliches Spiel beginnt.
Köllefornia informiert: Christine Eichel studierte Philosophie, Literatur- und Musikwissenschaft und wurde mit einer Arbeit über Theodor W. Adorno promoviert. Sie war Fernsehregisseurin, Gastprofessorin der UdK Berlin und leitete die Kulturressorts der Magazine Cicero und Focus. Sie lebt als Autorin, Moderatorin und Publizistin in Berlin, hat zahlreiche Romane und Sachbücher veröffentlicht und legt hier den Spannungsroman der Saison vor.

Gestatten Magritte

Abbildung: Parthas

Patricia Allmer, mit Illustrationen von Iker Spozio "Gestatten Magritte", Parthas Berlin, 80 Seiten, 14,90 EUR, ISBN 978-3-86964-114-0    Magrittes Mutter nimmt sich 1912 das Leben, ein Ereignis, dass zu einem immer wiederkehrenden Motiv seiner Bilder werden soll. Mit der Malerei hat der junge Mann keinen leichten Weg gewählt. Magritte schlägt sich als Musterzeichner in einer Tapetenfabrik durch, später als Plakatzeichner – da hat er schon mit der zwei Jahre jüngeren Georgette eine Familie gegründet. Erst als er einen Vertrag mit der Galerie »Le Centaure« abschließt, kann er sich vollständig der Kunst widmen. Zu dieser Zeit entsteht auch sein erstes surrealistisches Bild: »Der verlorene Jockey«. Magritte freundet sich mit André Breton, Joan Miró, Hans Arp und später auch Salvador Dalí an, wobei es immer wieder zu Streitigkeiten und Zerwürfnissen kommt. 1947 stellt Magritte zum ersten Mal in New York aus, 1956 gewinnt er den Guggenheim-Preis für Belgien. Mit Vorwürfen des Ausverkaufs seiner Kunst konfrontiert, stirbt Magritte am 15. August 1967 in seiner Brüsseler Wohnung. Das letzte Bild bleibt unvollendet.

Dreimal spannende empfehlenswerte Literatur

Abbildungen: Rowohlt

Thomas Nommensen "Wintertod", rororo, 432 Seiten, 9,99 EUR, ISBN 978-3-499-27198-4    Ein früher Wintereinbruch überzieht die Hauptstadt mit eisigem Frost, da wird auf einem verwilderten Friedhof in Berlin-Buch eine Leiche gefunden. Hauptkommissar Arne Larsen nimmt zusammen mit seiner Kollegin Mayla Aslan die Ermittlungen auf, doch die Spuren sind alles andere als eindeutig. War es Mord, oder sollte ein Suizid vertuscht werden? Und wie sind die Hinweise auf ein angeblich geheimes Haus Nr. 24 in der Waldsiedlung der DDR zu werten?
Gleichzeitig spielen sich seltsame Dinge an einer Berliner Grundschule ab: Ein Mädchen kritzelt mehrfach "Hilfe" in sein Aufsatzheft, und eine Lehrerin fürchtet ihre Schüler. Aber wie hängt das alles mit der toten Frau zusammen? Gerade als Larsen und Aslan sich auf der richtigen Fährte glauben, machen sie einen weiteren grausigen Fund.
Köllefornia informiert: Thomas Nommensen, in Schleswig-Holstein geboren, zog vor dem Fall der Mauer nach Berlin und arbeitete dort als Musiker, Toningenieur, Dozent und Software-Entwickler. Seine Kurzkrimis und -thriller erschienen in zahlreichen Anthologien und wurden mit dem Freiburger Krimipreis, dem Agatha-Christie-Krimipreis und dem 1. Deutschen E-Book-Preis ausgezeichnet. Mit seiner Frau, der Thrillerautorin Jutta Maria Herrmann, lebt er vor den Toren Berlins im brandenburgischen Panketal.

Ann Cleeves "Die Nacht der schwarzen Falter", rororo, 432 Seiten, 9,99 EUR, ISBN 978-3-499-27238-7    Das Leben in Valley Farm scheint perfekt: Hier im Nordosten Englands leben vier Ehepaare in einem abgeschiedenen Tal seit Jahren ganz für sich. Doch die Idylle trügt: Der junge Patrick Randall, als Haussitter im luxuriösesten Anwesen des Tals beschäftigt, wird tot am Wegesrand aufgefunden. Kommissarin Vera Stanhope übernimmt mit ihrem Team die Ermittlungen. Bei der Durchsuchung des Anwesens stoßen sie auf eine zweite männliche Leiche. Die einzige Gemeinsamkeit der zwei Opfer: eine Faszination für seltene Falter. Als die Sozialarbeiterin Shirley Hewarth kurz darauf ermordet wird, steht Kommissarin Vera Stanhope vor ihrem schwierigsten Fall: Drei Tote, die nichts verbindet, und vier Familien, die ganz eigene Leichen im Keller haben.
Köllefornia informiert: Ann Cleeves, geboren in Herefordshire, arbeitete als Zwanzigjährige zwei Jahre lang als Köchin auf Fair Isle. Heute lebt sie mit ihrer Familie in West Yorkshire und ist Mitglied des "Murder Squad", eines illustren Krimi-Zirkels. Für "Die Nacht der Raben" wurde sie 2006 mit der weltweit wichtigsten Auszeichnung der Kriminal-Literatur ausgezeichnet – dem "Duncan Lawrie Dagger Award".

Ursula Poznanski, Arno Strobel "Anonym", Wunderlich, 384 Seiten, 19,99 EUR, ISBN 978-3-8052-5085-6    Du verabscheust deinen Nachbarn? Du hast eine offene Rechnung mit deiner Ex-Frau? Du wünschst deinem Chef den Tod? Dann setze ihn auf unsere Liste und warte, ob die anderen User für ihn voten. Aber überlege es dir gut, denn manchmal werden Wünsche wahr. Es ist der erste gemeinsame Fall von Kommissar Daniel Buchholz und seiner Kollegin Nina Salomon, und er führt sie auf die Spur des geheimnisvollen Internetforums "Morituri". Dort können die Mitglieder Kandidaten aufstellen und dann für sie abstimmen. Dem Gewinner winkt der Tod. Aber das Internet ist unendlich, die Nutzer schwer zu fassen. Nur der Tod ist ausgesprochen real, und er ist näher, als Buchholz und Salomon glauben.

Köllefornia informiert: Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie war als Journalistin für medizinische Zeitschriften tätig. Nach dem fulminanten Erfolg ihrer Jugendbücher "Erebos", "Saeculum", Layers" etc. landete sie bereits mit ihrem ersten Thriller "Fünf" auf den Bestsellerlisten. Bei Wunderlich folgten "Blinde Vögel" und "Stimmen" sowie zusammen mit Arno Strobel der Bestseller "Fremd". Ursula Poznanski lebt mit Mann und Sohn in der Nähe von Wien.

Arno Strobel, 1962 in Saarlouis geboren, studierte Informationstechnologie und arbeitete lange bei einer großen deutschen Bank in Luxemburg bis er sich an das Schreiben von Romanen wagte. Mit seinen Psychothrillern "Der Trakt", "Das Wesen", "Das Skript", "Der Sarg", "Das Dorf", "Die Flut" etc.erklomm Strobel die Bestsellerlisten. Mit Ursula Poznanski zusammen schrieb er den Bestseller "Fremd". Arno Strobel lebt mit seiner Familie in der Nähe von Trier.

Sonntag, 18. September 2016

Sprache der Krähen

Abbildung: Picus

Georg Elterlein "Sprache der Krähen", Picus Verlag, 246 Seiten, 22,- EUR, ISBN 978-3-7117-2039-9    Leonard ist ein einsamer Wolf. Er hat seine Erfahrungen gemacht und will von niemandem mehr abhängig sein. Da erhält er die Nachricht, dass sein Bruder und dessen Frau bei einem Unfall ums Leben gekommen sind - und er der einzige verfügbare Verwandte ihres Sohnes ist. Leonard will sich auf nichts einlassen, bis er Erik kennenlernt: einen freundlichen, schüchternen Zehnjährigen, der infolge des Unfallschocks nicht sprechen kann. Bald spürt Leonard eine zarte Zuneigung zu dem Kind, das seinerseits an seinem Onkel hängt. Wenn da nicht Leonards letzter großer Job wäre, von dem er sich genügend Geld erhofft, um endlich alles hinter sich zu lassen. Und wenn da nicht Tina wäre, die er eben wiedergefunden und sofort wieder verloren hat. Eine packende Kombination aus Thriller, Liebesgeschichte und Familiendrama - spannend und berührend, ein echter Pageturner.
Köllefornia informiert: Georg Elterlein, geboren 1961 in Wien.
Nach der Matura in mehreren Berufen tätig, danach Ausbildung zum Toningenieur. Arbeit an Drehbüchern und Kurzgeschichten. 2009 erschien "Der Hungerkünstler" im Picus Verlag.

Neuigkeiten aus dem Hause Lübbe

Abbildungen: Lübbe

Mel Wallis de Vries "Schnick, schnack, tot", one Verlag, 285 Seiten, 10,- EUR, ISBN 978-3-8466-0029-0    Ein spannender Krimi von Mel Wallis der Vries, der niederländischen Queen of Crime. Klassenfahrt! Alle freuen sich auf das verlängerte Wochenende auf der Insel Vlieland. Doch dann wird Kiki erwürgt in den Dünen aufgefunden. Ihre Mitschüler sind im Schockzustand.
Die Polizei fängt an zu ermitteln und schnell wird klar, dass fast jeder ein Motiv gehabt hätte. Dann macht die Neuigkeit die Runde, dass niemand die Insel verlassen kann, weil ein Sturm aufgezogen ist und jeglicher Schiffsverkehr eingestellt wurde. Allen ist klar, dass der Mörder mitten unter ihnen ist. Langsam aber sicher wird der Aufenthalt auf der Insel zu einem wahren Höllentrip.
Köllefornia informiert: Mel Wallis de Vries, geboren 1973, ist in den Niederlanden DIE Autorin für Psychothriller im Jugendbuch. Ihre Titel finden sich regelmäßig auf den Bestsellerlisten wieder und werden von Jugendlichen wie Erwachsenen gerne gelesen, wie die verschiedenen Preise beweisen, mit denen die Bücher der Autorin ausgezeichnet wurden.

Andreas Eschbach "Teufelsgold", Lübbe Verlag, 511 Seiten, 22,90 EUR, ISBN 978-3-7857-2568-9    Auf der Jagd nach dem Stein der Weisen – Wer sind die Alchemisten unserer heutigen Zeit? Nach dem Ende der Kreuzzüge taucht er das erste mal auf: der Stein der Weisen, mit dem man Gold machen kann – gefährliches Gold, radioaktives Gold nämlich. Der Stein erscheint, als ein Alchemist Gott verflucht, und er zieht eine Spur der Verwüstung durch Europa. Die Deutschordensritter erklären es zu ihrer geheimen neuen Aufgabe, ihn zu finden und sicher zu verwahren. Für alle Ewigkeit. Doch in unserer Zeit kommen zwei Brüder, die unterschiedlicher kaum sein könnten, dem wahren Geheimnis des Steins auf die Spur: Er ist ein Schlüssel – ein Schlüssel, der unser aller Leben zum Guten hin verändern könnte. Oder öffnet er die Pforten der Hölle?
Köllefornia informiert: Andreas Eschbach, geboren 1959 in Ulm, ist verheiratet, hat einen Sohn und schreibt seit seinem 12. Lebensjahr. Er studierte Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitete zunächst als Softwareentwickler. Von 1993 bis 1996 war er Gesellschafter einer EDV-Beratungsfirma.
Als Stipendiat der Arno-Schmidt-Stiftung "für schriftstellerisch hoch begabten Nachwuchs" schrieb er seinen ersten Roman "Die Haarteppichknüpfer", der 1995 erschien und für den er 1996 den "Literaturpreis des Science-Fiction-Clubs Deutschland" erhielt. Bekannt wurde er vor allem durch den Thriller "Das Jesus-Video" (1998), der im Jahr 1999 drei literarische Preise gewann und zum Taschenbuchbestseller wurde. ProSieben verfilmte den Roman, der erstmals im Dezember 2002 ausgestrahlt wurde und Einschaltquoten bescherte. Mit "Eine Billion Dollar", "Der Nobelpreis" und zuletzt "Ausgebrannt" stieg er endgültig in die Riege der deutschen Top-Thriller-Autoren auf. Nach über 25 Jahren in Stuttgart lebt Andreas Eschbach mit seiner Familie jetzt seit 2003 als freier Schriftsteller in der Bretagne.

Samstag, 17. September 2016

Crime Cologne


Auch dieses Jahr startet wieder die Crime Cologne durch. Alle Veranstaltungen rund um das spannende Event finden Krimifans unter http://www.crime-cologne.com/

Die fünfte CRIME COLOGNE vom 19. September bis 3. Oktober 2016. Internationale Autoren lesen aus ihren aktuellen Kriminalromanen und halten Köln für zwei Wochen in Atem – mit einem vielfältigen Programm aus Lesungen an spannenden Orten im gesamten Stadtgebiet und dem Kölner Umland wird der Krimi zum Erlebnis.

Freitag, 16. September 2016

Deutschtürkische Hochzeit

Fotos: Lydia Tress

Meltem Kaptan "Verliebt, verlobt, verbockt - Meine türkisch-deutsche Traumhochzeit", Lappan Verlag, 144 Seiten, 12,99 EUR, ISBN 978-3-830-33440-8    Die quirlige Leyla Günes, Sprössling einer türkischen Einwandererfamilie, steht vor dem wichtigsten Tag ihres Lebens: ihrer Hochzeit mit Nils Bockheim, 32, Rechtsanwalt. Eine moderne Lovestory, wie sie nur das Multi-Kulti-Deutschland des 21. Jahrhunderts schreiben kann - wären da nicht der manisch-aggressive Trauzeuge, massive Gewichtsprobleme der Braut, die türkisch-westfälische Halal-Fleisch-Mafia, die liebestolle Eso-Frutarierin Rieke - und natürlich die Eltern der Brautleute, deren Wahnsinn kulturelle Grenzen mühelos überschreitet.
Eine turbulente Geschichte über Brautkleider, Trauzeugen, Integration - und über eine Hochzeit, bei der am Ende nur zwei Personen nicht mitreden dürfen: Braut und Bräutigam.

Köllefornia informiert: Meltem Kaptan, geboren 1980 in Gütersloh und zweisprachig aufgewachsen, ist unter anderem Schauspielerin, Sängerin, Sprecherin und Stand-up-Comedienne. Außerdem hat sie Malerei und Regie gelernt. Stillsitzen ist also nicht so ihr Ding. "Verliebt, verlobt, verbockt - Meine türkisch-deutsche Traumhochzeit" hat sie gemeinsam mit ihrem frisch angetrauten Ehemann Daniel Holl geschrieben.

Tipp: Bitte klicken Sie oberes Bild zwecks Vergrößerung an.

Donnerstag, 15. September 2016

Lebensnacht

Abbildung: Fabulus

Will Hofmann "Lebensnacht", Fabulus-Verlag, 350 Seiten, 19,95 EUR, ISBN 978-3-944788-29-6    Menschen sterben weltweit in großer Zahl, ihre Leichname lösen sich in Pfützen auf, nur Knochen und Kleidungsstücke bleiben übrig. Und der Geruch nach Benzin. Der nicht für möglich gehaltene Super-GAU stellt selbst die Auswirkungen der Atombombe in den Schatten und wird Realität: Die Menschheit steht vor dem Aus.
Professor Harry Kauffmann, Träger des Chemie-Nobelpreises und weltweit anerkannte Koryphäe auf seinem Gebiet, versucht mit seinem Team, den Schaden einzudämmen, der ihm bei seinen Experimenten unterlaufen ist. Er wollte Benzin mithilfe genetisch veränderter Bakterien herstellen. Um die tödlichen Folgen seiner Forschungen zu bekämpfen, fehlen aber die adäquaten Mittel. Ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit beginnt. Wie wird dieser enden?
Köllefornia informiert: Geboren 1949 im Taunus. Arzt für Allgemeinmedizin und Psychiatrie mit 20-jähriger Praxiserfahrung in Berlin- Neukölln. Er begann in seinen Jugendjahren zu schreiben. Erste Veröffentlichungen 1979 "Da läuft was aus" als SelfPublisher und 2011, "Abenteuermond" – ein Kinder-Science Fiction. Bei Kindle bisher erscheinen: "Oktan", "Das Licht", "Million Dollar Jucken" und "Glückwunsch zum Geburtstag, Zombie". Will Hofmann ist inspiriert von Edgar Alan Poe, Guy de Maupassant, Stanislaw Lem und vielen anderen, also von den Bereichen Grusel, Fantasy und Science Fiction. Seine Werke lassen sich deshalb diesen Genres zuordnen. Daneben entstanden zahlreiche Skripts für den Unterricht an Kranken- und Altenpflegeschulen sowie Info-Broschüren zu unterschiedlichen medizinischen Themen für Patienten. Durch seine wissenschaftliche Ausbildung und pädagogische Praxis vermag es Will Hofmann, komplexe Zusammenhänge anschaulich darzustellen. Die fantastischen Theorien in den Romanen wirken glaubhaft, nachvollziehbar und geben den Geschichten ihren besonderen Reiz.

Mittwoch, 14. September 2016

Candice Fox "Eden"

Abbildung: Suhrkamp

Candice Fox "Eden", Suhrkamp Verlag, 476 Seiten, 15,95 EUR, ISBN 978-3-518-46714-5    Heinrich Archer, genannt Hades, das kriminelle Mastermind von Sydney, wird bedroht. Er ›bittet‹ Detective Frank Bennett, den Kollegen seiner Tochter Eden, um diskrete Hilfe, denn die Spuren könnten tief in das faszinierende, gewaltsatte Vorleben von Hades führen.
Gleichzeitig hat Eden, Top-Detective bei der Mordkommission mit dem seltenen Talent, Verbrecher aufzuspüren und zur Strecke zu bringen, einen extrem schwierigen Auftrag: Drei Mädchen sind verschwunden, und die Spur führt sie zu einer verlassenen Farm, auf der sich ein Serienkiller rumtreibt. Sie begibt sich dort undercover in eine Kommune, ein rabenschwarzes, gefährliches Paralleluniversum mit Mördern und Vergewaltigern. Sie muss all ihre erstaunlichen Fähigkeiten einsetzen, um zu überleben. Zudem ist ihre Beziehung zu ihrem Partner Bennett kompliziert, beide sind traumatisiert, und dass Bennett gerade auf Alkohol und Drogen ist, macht die Sache nicht einfacher. Aber die beiden sind auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen.
Köllefornia informiert: Candice Fox stammt aus einer eher exzentrischen Familie, die sie zu manchen ihrer literarischen Figuren inspirierte. Nach einer nicht so braven Jugend und einem kurzen Zwischenspiel bei der Royal Australian Navy widmet sie sich jetzt der Literatur, mit akademischen Weihen und sehr unakademischen Romanen. Hades ist der erste Teil einer Trilogie, "Eden" und "Fall" folgen in den nächsten Monaten.

Ein Fotobuch von zwei in Berlin lebenden Kreativen

Abbildungen: Lo Graf von Blickensdorf / Horst Tress

Ein 40 Seiten starkes Fotobuch, das außergewöhnliche Fotografien von Joelle Meissner und Lo Graf von Blickensdorf enthält. Den Einleitungstext steuerte Köllefornia Herausgeber Horst Tress bei. Witzige, nachdenkliche und kuriose Fotografie von zwei schillernden Persönlichkeiten, die in Berlin leben und arbeiten. Neben den Fotografien enthält das Buch auch zwei Texte von Ute Weiss, die die Künstler etwas näher beschreiben. Bestellungen (10,- plus Versand) an: sekretariat.grafblickensdorf@t-online.de

Montag, 12. September 2016

Spannende Lektüre aus den Verlagen Ullstein und List

Abbildungen: Ullstein / List

Lars Mæhle "Ganz still und stumm", Ullstein Verlag, 304 Seiten, 9,99 EUR, ISBN 978-3-548-28740-9    Vor vielen Jahren hat Psychologin Ina Grieg ihre Heimat in den tiefen Wäldern Norwegens verlassen — eigentlich für immer. Ein Klassentreffen bringt sie zurück an den Ort ihrer Kindheit. Irgendetwas stimmt dort nicht. Ina erhält Briefe von einer ehemaligen Mitschülerin, die als 14-Jährige spurlos verschwunden ist. Ist sie wirklich noch am Leben? Während alte Feindschaften heftig aufflackern, versucht Ina, jetzt, Jahrzehnte später, endlich die Wahrheit herauszufinden und entdeckt, dass damals entsetzliches Unrecht geschah.
Köllefornia informiert: Der Norweger Lars Mæhle wurde 1971 geboren und arbeitete mehrere Jahre als Lektor. Seit 2002 ist er freier Autor. Seine Kinder- und Jugendbücher wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, einige auch verfilmt. Seine Krimiserie um die Psychologin Ina Grieg ist in Norwegen sehr erfolgreich.

Claire Kendal "Du bist mein Tod", List Verlag,
368 Seiten, 9,99 EUR, ISBN 978-3-548-61311-6    Ein Mann, der ihr die Welt zu Füßen legt: der Traum einer jeden Frau. Doch für Clarissa ist es ein Alptraum. Denn sie will seine Geschenke, seine Blumen, seine Nähe nicht. Nirgends ist sie mehr sicher. Er lauert ihr auf, Tag und Nacht. Aber keiner erkennt die Gefahr, selbst ihre beste Freundin nicht. Für alle anderen sieht es aus wie die große Liebe. Was sie auch macht, sie kann sich nicht wehren, er kommt ihr näher und näher. Bis Clarissa sich wehrt.
Köllefornia informiert: Claire Kendal wurde in den USA geboren und ist in England aufgewachsen. Du bist mein Tod ist ihr erster Roman und erscheint in zweiundzwanzig Ländern. Sie unterrichtet Literaturwissenschaft und Kreatives Schreiben und lebt mit ihrer Familie im Südwesten Englands. Sie arbeitet bereits an ihrem nächsten Roman. 

John le Carré "Der Taubentunnel", Ullstein Verlag, 384 Seiten, 22,- EUR, ISBN 978-3-550-08073-9    Die Memoiren eines Jahrhundertautors. Was macht das Leben eines Schriftstellers aus? Die Einsamkeit des Schreibens? Mit dem Welterfolg von Der Spion, der aus der Kälte kam gab es für John le Carré keinen Weg zurück in die Abgeschiedenheit. Er kündigte seine Stelle im diplomatischen Dienst, reiste zu Recherchezwecken um die halbe Welt — Afrika, Russland, Israel, USA, Deutschland — und traf die Mächtigen aus Politik- und Zeitgeschehen, aber auch aus dem Filmgeschäft. So entstand eine realitätssatte Literatur, die genau den Nerv der Zeit trifft. John le Carré ist ein exzellenter und unabhängiger Beobachter, mit einem untrüglichen Gespür für Macht und Verrat, vor allem dem Verrat an der eigenen Sache. In seinen Memoiren blickt er zurück auf sein Leben und sein Schreiben.

Ausgepackt: Von Dürer bis van Gogh

Fotos: Lydia Tress

Von Dürer bis van Gogh - Sammlung Bührle trifft Wallraf.    23. September 2016 bis 29. Januar 2017 im Kölner Wallraf-Richartz Museum.    Zehn Tage vor der eigentlichen Eröffnung durfte sich die Presse schon einmal etwas hinter den Kulissen der Ausstellung "Von Dürer bis van Gogh" umgucken. Eindrucksvoll, wie die aus der Schweiz angelieferten Gemälde behutsam aus stabilen Holzkisten entpackt werden. Sobald ein Bild dem Transportmittel entnommen wird, wird unter fachmännischen Augen der Istzustand begutachtet. Unter einem achtfachen Vergrößerungsglas wird das Gemälde bis zu einer Stunde genauestens betrachtet und mit den mitgelieferten Fotos, die vor dem Transport gemacht wurden, pedantisch verglichen. Erst dann erfolgt die Hängung an den vorgesehenen Platz in der Ausstellung. Die ganzen Prozeduren finden vor jeder Schau aus Sicherheits- und Versicherungsgründen statt.

Zur Präsentation dieser fantastischen Bilderschau: "Monets Zauber hat mich nie losgelassen, Cézanne, Degas, Manet, Renoir wollte ich in meinem Umkreis an meinen Wänden haben", so blickte Emil Bührle kurz vor seinem plötzlichen Tod im Novem­ber 1956 auf den Beginn seiner Sammelleidenschaft zurück. In nur wenigen Jahren war es ihm gelungen, eine erstaunliche Vielzahl von herausragenden Kunstwerken aus den bedeutendsten Epo­chen von Gotik bis Kubismus zusammenzutragen.

Seine große Liebe aber galt immer den Impressionisten. Hier ­tref­fen sich seine Inter­essen und die des Wallraf-Richartz-Museums. Noch in den 1950er-Jahren konkurrierten beide Parteien zuweilen auf dem Kunstmarkt um die besten Bilder und heute, sechzig Jahre nach Bührles Tod, bringt das Wallraf 64 Meister­werke aus beiden Samm­lungen für einen einzigartigen Dialog zusammen. Dabei kommen neben den bereits genannten französischen Impres­sio­nis­ten auch Meister wie Dürer, Cuyp, Canaletto, Delacroix, Courbet, Sisley, Pissarro, Gauguin, van Gogh, Picasso und Braque zusammen. Die Ausstel­lung ist ausschließlich in Köln zu sehen.

Leopold Reidemeister, der von 1945 bis 1957 Direktor des Wallraf-Richartz-Museums war und Bührle persönlich kennengelernt hatte, charakterisierte den wohlhabenden Industriellen und lei­den­schaft­lichen Kunstsammler mit folgenden Worten: "Er hatte die schöne Muße und Gelassenheit, eine halbe Stunde vor einem Monet zu verbringen, wobei man nicht zu hören bekam, daß er vielleicht bedeutendere Bilder dieses Künstlers besaß." Bührles Kollektion europäischer Malerei galt schon damals als eine der wichtigsten privaten Sammlungen überhaupt. Im Jahre 1960 brachte seine Familie eine repräsentative Auswahl von rund 200 Gemälden und Skulpturen in eine Stiftung ein, die bis Mai 2015 in der Züricher Villa neben Bührles Wohnhaus zu sehen war. Ab 2020 wird die Sammlung in einem Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich wieder für die Öffentlichkeit zu sehen sein.

Samstag, 10. September 2016

Lügennest

Abbildung: Knaur

Linwood Barclay "Lügennest", Knaur Verlag, 512 Seiten, 12,99 EUR, ISBN 978-3-426-51868-7    Für Promise Falls sieht es düster aus. In der Kleinstadt an der US-Ostküste gibt es kaum Perspektiven – und vor allem keine Jobs. Auch die Zeitung von Reporter David Harwood ist pleite, trotzdem steckt er seine Nase weiterhin in Sachen, die ihm merkwürdig vorkommen. Wie zum Beispiel in diese Geschichte mit dem Baby. Seine Cousine Marla schwört, ein Engel habe es ihr gegeben. Aber es sieht eher so aus, als hinge alles mit einem brutalen Mord am anderen Ende der Stadt zusammen. Und das ist nicht der einzige Abgrund, der sich in Promise Falls auftut.
Köllefornia informiert: Linwood Barclay, geboren 1955, stammt aus den USA, lebt aber seit seiner Kindheit in Kanada. Er studierte Englische Literatur an der Trent University in Peterborough, Ontario, und arbeitete bis 2008 als Journalist. Im "Toronto Star", Kanadas größter Tageszeitung, hatte er eine beliebte Kolumne. Sein erster Thriller, "Ohne ein Wort" (2007), war auf Anhieb ein internationaler Bestseller. Er hat zwei erwachsene Kinder und lebt mit seiner Frau in der Nähe von Toronto.

Freitag, 9. September 2016

Zwei Neuerscheinungen bei Piper

Abbildungen: Piper

Arne Dahl "Sieben minus eins", Piper Verlag, 416 Seiten, 16,99 EUR, ISBN 978-3-492-05770-7    Als er die Blutspuren in dem labyrinthischen Kellerverlies findet, ist sich Kriminalkommissar Sam Berger sicher: Das unerklärliche Verschwinden der jungen Frau steht mit früheren Fällen in Verbindung, es muss weitere Opfer desselben Täters geben. Nur fehlt von denen jede Spur. Mit seiner waghalsigen Theorie von einem Serientäter steht Sam Berger alleine da und gerät bald von mehreren Seiten unter Beschuss. Allan, sein Chef, hat wenig Verständnis für Bergers riskante Einzelgänge und droht, ihn zu feuern. Dann entdeckt Sam Berger Spuren. Spuren, die nur er verstehen kann, gelegt von einem Menschen, der ihn allzu gut zu kennen scheint. Sie führen ihn zu einem verlassenen alten Bootshaus und von dort zu einer längst verloren geglaubten Erinnerung. Tief verborgen in Bergers Vergangenheit gibt es etwas, das ihn mit den brutalen Verbrechen verbindet. Etwas, das lange Zeit keine Bedeutung zu haben schien, und das der Täter jetzt mit gutem Grund ans Licht holt.
„Sieben minus eins“ ist der Beginn einer neuen Krimiserie um das Ermittlerduo Sam Berger und Molly Blom – psychologisch raffiniert, voller abgründiger Wendungen und unerhört spannend. Der beste Arne Dahl, den es je gegeben hat.
Köllefornia informiert: Arne Dahl, Jahrgang 1963, hat mit seinen Kriminalromanen um die Stockholmer A-Gruppe eine der weltweit erfolgreichsten Serien geschaffen. International mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, verkauften sich allein im deutschsprachigen Raum über eine Million Bücher. 2012 begann er mit "Gier" ein neues Thriller-Quartett, dessen Folgebände "Zorn", "Neid" und "Hass" ebenfalls Bestseller wurden. Mit "Sieben minus eins" beginnt er eine neue Serie um das Ermittlerduo Berger & Blom, die international mit Spannung erwartet wird und zahlreiche Vorschusslorbeeren erhielt.

Angela Marsons "Evil Games – Wer ist ohne Schuld?", Piper Verlag, 480 Seiten, 480 Seiten, 14,99 EUR, ISBN 978-3-492-06039-4    Als DI Kim Stone zu einem Leichenfund gerufen wird, ist für sie schnell klar: Hier handelt es sich um einen Racheakt, denn Allan Harris saß jahrelang wegen einer brutalen Vergewaltigung im Gefängnis. Tatsächlich bekennt sich das damalige Opfer Ruth bald zu der Tat, die es nicht ertragen konnte, Harris wieder auf freiem Fuß zu wissen. Doch Stone hat so ihre Zweifel an Ruths Geständnis und sucht deshalb deren Psychotherapeutin Dr. Alexandra Thorne auf. Und die scheint Ruth manipuliert zu haben, nur kann Stone es ihr nicht beweisen. Ein grausames psychologisches Katz-und-Maus-Spiel beginnt, bei dem es nur einen Gewinner geben kann.
Köllefornia informiert: Angela Marsons ist im Black Country, einer von Bergbau und Industrie geprägten Region Englands, geboren und aufgewachsen. Mit ihrer Partnerin lebt sie auch heute noch dort. Sie arbeitete lange Jahre in der Sicherheitsbranche, schreibt seit ihrer Jugend und veröffentliche mehrere erfolgreiche Kurzgeschichten. Mit "Silent Scream" legte Angela Marsons ihr beeindruckendes Krimidebüt vor, "Evil Games" ist der zweite Band dieser Krimireihe.

Samstag, 3. September 2016

Die Toten, die dich suchen

Abbildung: Pendo

Gisa Klönne "Die Toten, die dich suchen", Pendo Verlag, 432 Seiten, 20,- EUR, ISBN 978-3-86612-400-4    Keine Toten mehr! Mit diesem Vorsatz kehrt Hauptkommissarin Judith Krieger nach Köln zurück. Als Chefin der Vermisstenfahndung, nicht mehr als Mordermittlerin. Vier Jahre lang hat sie auf dieses Ziel hingearbeitet. Doch gleich der erste Tag führt Judith zum Schauplatz eines grausamen Mordes in einem fensterlosen Keller. Hier ist ein seit Wochen spurlos verschwundener Mann qualvoll verdurstet. Die Jagd nach dem Täter bringt Judith an die Grenzen der Legalität und auf die Spur einer zweiten Vermissten. Ist die junge Kolumbianerin Inez ein weiteres Opfer oder eine eiskalte Rächerin? Schritt für Schritt enthüllt Judith Krieger eine dramatische Geschichte von Flucht, Vertreibung, Gewalt und betrogener Sehnsucht. Und trifft auf einen Gegner, der dort wartet, wo der Schmerz ist.
Köllefornia informiert: Gisa Klönne, geboren 1964, ist die Autorin von mittlerweile sechs erfolgreichen Kriminalromanen um die Kommissarin Judith Krieger. Daneben legte die unter anderem mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnete Autorin mit »Das Lied der Stare nach dem Frost« und "Die Wahrscheinlichkeit des Glücks" aber auch zwei Familienromane vor. Gisa Klönnes Romane sind Bestseller und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Sie lebt als freie Schriftstellerin in Köln.

Donnerstag, 1. September 2016

Nachtschatten

Abbildung: Droemer

Steve Mosby "Nachtschatten", Droemer, 432 Seiten, 14,99 EUR, ISBN 978-3-426-30468-6    Detective Inspector Zoe Dolan und ihr Team sehen sich einem Alptraum gegenüber. Ein Stalker, der nachts lautlos in die Wohnungen von jungen Frauen eindringt, um sie zu misshandeln und zu vergewaltigen, sorgt für Panik und Misstrauen. Es hat den Anschein, als würden seine Attacken immer brutaler. Um sich eine trügerische Intimität vorzugaukeln, liebt es der Creeper, bereits im Schlafzimmer unter dem Bett zu liegen, wenn die jungen Frauen von der Arbeit zurückkehren. Zoe Dolan ist überzeugt, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der Unbekannte zum Killer wird. Doch alle Nachforschungen verlaufen im Sande. Der Druck von Seiten der Öffentlichkeit wird immer stärker, DI Dolan braucht dringend einen Durchbruch in ihren Ermittlungen.
Köllefornia informiert: Steve Mosby, geboren 1976 in Horsforth/Yorkshire, studierte Philosophie und lebt als freier Schriftsteller in Leeds. Mit "Der 50/50-Killer" gelang ihm der Durchbruch als hochklassiger Thrillerautor. Für seine bisher acht Romane erhielt er 2012 den angesehenen "Dagger in the Library" der britischen Crime Writers' Association.