Donnerstag, 29. September 2016

Regierungsbunker Bad Neuenahr-Ahrweiler

Fotos: Lydia Tress (zum Vergrößern bitte anklicken)

Wer einmal eine etwas andere Dokumentationsstätte besuchen möchte, sollte sich den Regierungsbunker Bad Neuenahr-Ahrweiler vornehmen. Die 2009 mit dem Kulturpreis Europa Nostra ausgezeichnete Location wird vom gemeinnützigen Heimatverein "Alt-Ahrweiler e. V." unterhalten.

Ein kleines Teilstück des ursprünglichen über 18 km langen Tunnels wurde zum Museum ausgebaut. Das einstige geheime Bauwerk war in der Zeit des Kalten Krieges eine eigene unterirdische Welt. Neben Zahnarzt, Friseur, Fernsehstudio, Schlafplätzen wurden dort Verfassungsorgane der Bundesrepublik aktiv. Ein Kapitel zur atomaren Bedrohung zu jener Zeit.

Mehr Informationen finden Sie unter: http://www.regbu.de/

Donnerstag, 22. September 2016

Tagebücher, die aufhorchen lassen

Abbildung: dtv

André Postert "Der Junge Schall", dtv, 24,- EUR, ISBN 978-3-423-28105-8    Franz Albrecht Schall (1913 – 2001) stammte aus einem bildungsbürgerlichen protestantischen Elternhaus in Thüringen. Der Vater war mit Hesse befreundet und verfolgte besorgt die Krise der Demokratie. Doch der Sohn trat bereits mit 17 der nationalen Jugend bei. Wie der junge Mann in den Sog des Nationalsozialismus geriet, davon zeugen seine Tagebücher: Massenaufmärsche, politische Vorträge und Propagandafahrten sind ebenso festgehalten wie seine persönlichen Eindrücke. Während der Vater wegen Kontakten zur Opposition verhaftet wurde, machte der Sohn Karriere in der Diktatur. Fast bis Kriegsende war sein Glaube an das Regime ungebrochen.
Unverfälscht zeigen die Tagebücher die Anziehungskraft dieser Politik auf junge Menschen. Zusammen mit der historischen Einordnung eröffnen sie einen neuen Blick auf diese Zeit und sind zugleich ein sehr anschaulicher Beitrag zum Thema Jugend und ideologische Verführung.
Köllefornia informiert: André Postert, Dr. phil., Jg. 1983, hat Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Duisburg-Essen studiert und 2013 am Lehrstuhl von Wilfried Loth seine Promotion abgeschlossen. Während seines Studiums war er als wissenschaftliche Hilfskraft tätig, ab 2014 als Lehrbeauftragter für Neuere Geschichte an der Universität Düsseldorf und freier Mitarbeiter am NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln. Seit 2014 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hannah-Arendt-Institut in Dresden. Seine Forschungsschwerpunkte: Konservatismus/Konservative Revolution, Opposition und Widerstand, Jugendorganisationen in der Diktatur sowie  Mentalitätsgeschichte.

Eleven Promises - Jazz vom Feinsten

Abbildung: JazzSick

Elisabeth Lohninger & Band "Eleven Promises", Label JazzSick Records    Salzkammergut, Österreich. Malerisch gelegen am traumhaften Attersee. Bei einem Blick über das Wasser erblickt man am anderen Ende die thronenden und mächtigen Bergspitzen der Alpen über das Ufer ragen. Ein einmaliges Panorama und für Elisabeth Lohninger der schönste Ort auf der ganzen Welt. Als Pendant hierzu steht eine der pulsierendsten und faszinierendsten Städte auf unserem Globus – New York City. Das eine ist die Heimat, das andere seit über 20 Jahren die Wahlheimat. Es ist ein großer und mehr als nur gewagter Schritt von einem Dorf mit 25 Einwohnern in eine 8,2 Millionen-Stadt zu ziehen. Eine alte Welt sollte der neuen weichen. Aber Elisabeth Lohninger wäre nicht Elisabeth Lohninger, wenn sie zum einen nicht ihrem Herzen folgen würde, und zum anderen der Liebe zur Musik wegen, diesen Schritt gewagt hätte.

Manhattan war vor 20 Jahren noch multikultureller, bunter und geradezu durchwachsener Nabel der gesamten Metropole, mittlerweile hat sich dies stark verändert. Beherrscht von großen Konzernen und Firmen aus der ganzen Welt mussten die kleinen, charmanten und romantischen Ecken in denen der Jazz noch lebendig gedeihen konnte leider zum Teil weichen. Wer sich aber mit offenen Augen und Ohren auf die Suche begibt, findet diese besonderen und magischen Orte der Stadt noch. So weiß auch Elisabeth Lohninger ihr New York zu schätzen.

Der Gedanke an den American Dream liegt bei so einer Vita sicherlich nah, war für die Sängerin aber niemals der Fokus ihres Aufbruchs. Wenn man nach New York bzw. Manhattan kommt um Jazz zu machen geht es nicht so sehr darum, mit Musik möglichst viel Geld zu verdienen, ein schönes Haus oder ein schnelles Auto zu kaufen. Musik ist für mich Inspiration, ich fühle mich darin zu Hause und sie gibt mir den Freiraum den ich auch brauche um möglichst authentisch zu sein und im besten Fall auch andere Menschen dadurch inspirieren zu können, erzählt die Künstlerin.

Diese Reise musste die studierte Sängerin auch nicht alleine unternehmen, gemeinsam mit ihrem Ehemann und jahrelangen, musikalischen Wegbegleiter, Walter Fischbacher, wurde die erste gemeinsame Wohnung auf der W 104th Street und Broadway bezogen, anschließend ging es in die Lower East Side. Von diesem Zeitpunkt wurde der Schwerpunkt des musikalischen und kreativen Schaffens auf eine neue Stadt gelegt.

Im Gegensatz zu dem europäischen Jazz ist der amerikanische sehr traditionell geprägt, dies beeinflusste sicherlich auch die Liedstrukturen, Akkordabfolgen und Ästhetiken von Elisabeths Musik. Der Puls der Stadt, der Lärm, die vielen Dinge, die sich ständig und zur gleichen Zeit abspielen, aber auch der Rhythmus der Sprache. Alles ausschlaggebende Indikatoren für die musikalische Entwicklung der Vokalistin. Ein weiterer Aspekt dieses Prozesses ist die enge und sehr intensive Zusammenarbeit mit Walter Fischbacher. Über die Jahre hinweg wurden 20 Produktionen veröffentlicht, zum Teil gemeinsam, zum Teil in Co-Produktion aber immer mit einem übergeordneten Ziel, dem Jazz. Das aktuellste dieser vielen Resultate ist das am 23. September erscheinende, neue Album von Elisabeth Lohninger & Band – Eleven Promises.

Es ist ein Symbol der gemeinsamen Geschichte des Ehepaars. Ein Sinnbild für die Ehe, das Versprechen in guten wie in schlechten Zeiten zueinanderzustehen und immer wieder als Gemeinschaft zurückzukehren, egal was passiert. Deshalb ist es auch die erste Veröffentlichung gemeinsam mit Walter Fischbachers Trio Phisbacher. Fischbacher selbst hat das Album arrangiert und produziert und die meisten Stücke wurden auf einer gemeinsamen Auszeit in Mexiko geschrieben. Als musikalische Begleiter der neuen Veröffentlichung finden sich, neben Walter Fischbacher selbst am Piano, noch Goran Vujic am Bass und Ulf Stricker am Schlagzeug. Als besonderes Highlight Ben Butler, der Gitarrist von Sting und Susan Vega, bei dem Stück Birthday Girl und der Harmoniker Gary Schreiner als Solist bei Mellow Moon Moaning. Komplettiert wird durch den zweiten Gitarristen Pete McCann. Die Bandleaderin selbst weiß dies auch sehr zu schätzen: Ich bin immer wieder inspiriert von meinen Kolleginnen und Kollegen, ob das nun Musiker, Designer oder Schriftsteller sind. Sie beflügeln mich alleine dadurch, dass sie immer danach streben, nicht stehen zu bleiben sondern sich weiterzuentwickeln. Genauso war es auch bei den Arbeiten zu Eleven Promises, ein wunderbarer Prozess.

Jeder der zwölf Tracks auf dem neuen Album erzählt eine Geschichte oder es verbirgt sich eine interessante Anekdote dahinter. When We Were Young ist Elisabeths Geschwistern gewidmet und erzählt von der Erinnerung an einen warmen Sommerregen und vielen Momenten aus der Kindheit. Ein akustischer Chill-Out-Track mit einigen Sciencefiction-Sprinklern“ so beschreibt Walter Fischbacher die sechste Nummer auf dem Album, And If. Auch ein Cover mit Girl From Ipanema findet Platz. Mit dem gleichnamigen Titelsong Eleven Promises, dessen Refrain zufällig auch in 11/16 gespielt wird, greift Elisabeth nochmals das Thema des gesamten Albums auf, die Liebe, die Ehe und der gemeinsame Weg den sie und Walter bisher zurückgelegt haben. Mit Hold On empfiehlt sich ebenfalls noch ein äußerst grooviger Song in bester Manier der frühen 90er Jahre. Circles als das komplexeste Stück auf Eleven Promises spielt beispielsweise auf Maiden Voyage von Herbie Hancock an. Neben vielen weiteren sehr gut aufeinander abgestimmten Titeln, ist zu guter Letzt mit dem Stück Ya Mi Corazon noch ein spanisches Stück auf dem Album.

Südafrika und der Jazz

Abbildung: JAZZNARTS

Neue CD "Seba Kaapstad – Tagore’sue", Label JAZZNARTS RECORDS    Wir befinden uns heute 33° Süd 56’ 20.94’’ – 18° Ost 28’ 10.271’’. Genau genommen sitzen wir am Straßenrand des ‚Tagore’s Club’ in der 42, Trill Road im sonnigen und sehr milden Kapstadt. Mit uns am Tisch sitzt eine Gruppe junger Musiker aus Deutschland und Afrika: Sebastian Schuster, Zoe Modiga und Ndumiso Manana. In diesem Moment wird ein Bandprojekt geboren, welches Kulturen verbindet, für Musiker neue musikalische Horizonte ermöglicht und ein so starkes, authentisches und sehr vielseitiges Jazz-Album hervorbringt, wie man es wohl aus einer Kombination von schwäbischer Gründlichkeit, koreanischer Zurückhaltung, rheinischem Humor und Süd-Afrikanischer Gelassenheit nicht erwartet hätte: Seba Kaapstad – Tagore’s.

In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts war Südafrika auf Grund der Apartheid und vieler Unruhen stark zerrüttet. Bis zum Ende der 80er Jahre war es fast unmöglich Kreativität, Kunst und Kultur zu erleben. Mit ausschlaggebend für die Rehabilitation des Landes und der dort lebenden Menschen war die Musik. Als universelle Sprache hat sie Menschen, egal welcher Herkunft, zusammengeführt. Es entstand die Möglichkeit auf neutraler Ebene miteinander zu kommunizieren, einen gemeinsamen kreativen Prozess zu gestalten, Vorurteile zu überwinden und einen großen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten. Gerade deshalb ist das Projekt von Sebastian alias ‚Seba Kaapstad’ umso wichtiger und intensiver.

Vor seiner ersten Reise nach Kapstadt hätte Seba sich sicher niemals ausmalen können, welche Freunde er dort findet, wie dieses Land sein ganzes Leben verändert und welche Magie und vor allem Energie ihn dort erwartet. Der Grund seiner Reise war nämlich ein anderer. Eines der großen musikalischen Vorbilder des Musikers ist der niederländische Bassist ‚Heyn van der Geyn’, welcher unter anderem schon mit Chet Baker auf Tournee war. Dieser lebt in der ‚Mother City’ und Seba wollte ihn kennen lernen. Nach ersten gemeinsamen Jam Sessions und viel Zeit mit dem Instrument verliebte sich der junge Künstler allmählich in die Stadt, die Menschen und das Lebensgefühl. „Kapstadt ist so charmant imperfekt. Ich erinnere mich an einen Gig mit circa 30 Musikern. Ohne Noten und wirklichen Plan wurde begonnen zu spielen. Es brach absolutes Chaos aus, aber ich habe selten so ehrliche Musik erlebt. Beim Spielen herrscht nie wirklich Ruhe, der Zuhörer zeigt sofort Emotionen wenn etwas gefällt, oder eben nicht. Das würde es in Deutschland nie geben “, erklärt Seba.

Geprägt ist der musikalische Stil von ‚Tagore’s’ durch die vielfältigen Kulturen und Stilistiken der Bandmitglieder. Der afrikanische Einfluss auf dem Album ist stark ausgeprägt. Es ist ein urbaner Mix aus Rhythm ’n’ Blues, Hip-Hop, Soul und Jazz. Allerdings wird viel Raum gelassen zur musikalischen Entfaltung eines jeden Künstlers. Vor allem ‚Hello’‚ ‚I Fall In Love Too Easily’, ‚Flatline’ und ‚Autumn’, mit ihren eindringlichen Melodien, tollen Solis und hervorragend abgestimmten Vocal-Passagen sind absolute Ohrwurm-Garanten. Alle Kompositionen stammen aus der Feder des Bandleaders und den Sängern. Aufgenommen wurde im Münchner Mastermix Studio von Thomas Schmidt und gemastert von Christoph Stickel.

Seba vereint mit seinem Debütalbum die südafrikanische Ausnahmesängerin Zoe Modiga, welche mit gerade einmal 21 Jahren schon etliche Wettbewerbe gewonnen hat und als eine der vielversprechendsten und talentiertesten Künstlerinnen des ganzen Landes gilt. Ebenfalls mit dabei ist Ndumiso Manana aus Swasiland, der junge und sehr emotionale Sänger ist auch gerade im Begriff seine Karriere in Südafrika und über den Landesgrenzen hinaus aufzubauen. Am Piano ist ebenfalls keine Unbekannte: Gee Hye Lee, gebürtig aus Südkorea mittlerweile aber sesshaft in Stuttgart. Der aus Bayern stammende und in Köln lebende Thomas Wörle an den Drums und Electronics ergänzt die Band. Außerdem ist auch die Schwester des Bandleaders, Franziska Schuster, als Sängerin auf dem Album vertreten. Und natürlich der Bassist sowie Komponist des Albums, Sebastian Schuster.

Bei ‚Seba Kaapstad – Tagore’s’ wirken Musiker gemeinsam, die auf den ersten Blick vielleicht unterschiedlich scheinen, aber die genau gleichen Vorstellungen von Musik und deren Einfluss haben. Dadurch ist ein so besonderes, facettenreiches und wirklich spannendes Album entstanden. Es spiegelt die Energie Südafrikas und zeigt, dass Grenzen, jeglicher Art, mit Hilfe von Musik immer überwunden werden können. Ein absoluter Musiktipp, auch für Nicht-Jazzer.

Band:
Zoe Modiga – Voice
Franziska Schuster – Voice
Ndumiso Manana – Voice
Gee Hye Lee – Piano
Thomas Wörle – Drums / Electronics
Sebastian Schuster - Bass / Rhodes

Dienstag, 20. September 2016

Gestatten Magritte

Abbildung: Parthas

Patricia Allmer, mit Illustrationen von Iker Spozio "Gestatten Magritte", Parthas Berlin, 80 Seiten, 14,90 EUR, ISBN 978-3-86964-114-0    Magrittes Mutter nimmt sich 1912 das Leben, ein Ereignis, dass zu einem immer wiederkehrenden Motiv seiner Bilder werden soll. Mit der Malerei hat der junge Mann keinen leichten Weg gewählt. Magritte schlägt sich als Musterzeichner in einer Tapetenfabrik durch, später als Plakatzeichner – da hat er schon mit der zwei Jahre jüngeren Georgette eine Familie gegründet. Erst als er einen Vertrag mit der Galerie »Le Centaure« abschließt, kann er sich vollständig der Kunst widmen. Zu dieser Zeit entsteht auch sein erstes surrealistisches Bild: »Der verlorene Jockey«. Magritte freundet sich mit André Breton, Joan Miró, Hans Arp und später auch Salvador Dalí an, wobei es immer wieder zu Streitigkeiten und Zerwürfnissen kommt. 1947 stellt Magritte zum ersten Mal in New York aus, 1956 gewinnt er den Guggenheim-Preis für Belgien. Mit Vorwürfen des Ausverkaufs seiner Kunst konfrontiert, stirbt Magritte am 15. August 1967 in seiner Brüsseler Wohnung. Das letzte Bild bleibt unvollendet.

Mittwoch, 14. September 2016

Ein Fotobuch von zwei in Berlin lebenden Kreativen

Abbildungen: Lo Graf von Blickensdorf / Horst Tress

Ein 40 Seiten starkes Fotobuch, das außergewöhnliche Fotografien von Joelle Meissner und Lo Graf von Blickensdorf enthält. Den Einleitungstext steuerte Köllefornia Herausgeber Horst Tress bei. Witzige, nachdenkliche und kuriose Fotografie von zwei schillernden Persönlichkeiten, die in Berlin leben und arbeiten. Neben den Fotografien enthält das Buch auch zwei Texte von Ute Weiss, die die Künstler etwas näher beschreiben. Bestellungen (10,- plus Versand) an: sekretariat.grafblickensdorf@t-online.de

Montag, 12. September 2016

Ausgepackt: Von Dürer bis van Gogh

Fotos: Lydia Tress

Von Dürer bis van Gogh - Sammlung Bührle trifft Wallraf.    23. September 2016 bis 29. Januar 2017 im Kölner Wallraf-Richartz Museum.    Zehn Tage vor der eigentlichen Eröffnung durfte sich die Presse schon einmal etwas hinter den Kulissen der Ausstellung "Von Dürer bis van Gogh" umgucken. Eindrucksvoll, wie die aus der Schweiz angelieferten Gemälde behutsam aus stabilen Holzkisten entpackt werden. Sobald ein Bild dem Transportmittel entnommen wird, wird unter fachmännischen Augen der Istzustand begutachtet. Unter einem achtfachen Vergrößerungsglas wird das Gemälde bis zu einer Stunde genauestens betrachtet und mit den mitgelieferten Fotos, die vor dem Transport gemacht wurden, pedantisch verglichen. Erst dann erfolgt die Hängung an den vorgesehenen Platz in der Ausstellung. Die ganzen Prozeduren finden vor jeder Schau aus Sicherheits- und Versicherungsgründen statt.

Zur Präsentation dieser fantastischen Bilderschau: "Monets Zauber hat mich nie losgelassen, Cézanne, Degas, Manet, Renoir wollte ich in meinem Umkreis an meinen Wänden haben", so blickte Emil Bührle kurz vor seinem plötzlichen Tod im Novem­ber 1956 auf den Beginn seiner Sammelleidenschaft zurück. In nur wenigen Jahren war es ihm gelungen, eine erstaunliche Vielzahl von herausragenden Kunstwerken aus den bedeutendsten Epo­chen von Gotik bis Kubismus zusammenzutragen.

Seine große Liebe aber galt immer den Impressionisten. Hier ­tref­fen sich seine Inter­essen und die des Wallraf-Richartz-Museums. Noch in den 1950er-Jahren konkurrierten beide Parteien zuweilen auf dem Kunstmarkt um die besten Bilder und heute, sechzig Jahre nach Bührles Tod, bringt das Wallraf 64 Meister­werke aus beiden Samm­lungen für einen einzigartigen Dialog zusammen. Dabei kommen neben den bereits genannten französischen Impres­sio­nis­ten auch Meister wie Dürer, Cuyp, Canaletto, Delacroix, Courbet, Sisley, Pissarro, Gauguin, van Gogh, Picasso und Braque zusammen. Die Ausstel­lung ist ausschließlich in Köln zu sehen.

Leopold Reidemeister, der von 1945 bis 1957 Direktor des Wallraf-Richartz-Museums war und Bührle persönlich kennengelernt hatte, charakterisierte den wohlhabenden Industriellen und lei­den­schaft­lichen Kunstsammler mit folgenden Worten: "Er hatte die schöne Muße und Gelassenheit, eine halbe Stunde vor einem Monet zu verbringen, wobei man nicht zu hören bekam, daß er vielleicht bedeutendere Bilder dieses Künstlers besaß." Bührles Kollektion europäischer Malerei galt schon damals als eine der wichtigsten privaten Sammlungen überhaupt. Im Jahre 1960 brachte seine Familie eine repräsentative Auswahl von rund 200 Gemälden und Skulpturen in eine Stiftung ein, die bis Mai 2015 in der Züricher Villa neben Bührles Wohnhaus zu sehen war. Ab 2020 wird die Sammlung in einem Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich wieder für die Öffentlichkeit zu sehen sein.